Newsticker Mai: Aktuelles aus der Prozessindustrie

Milliardendeal: Lanxess trennt sich von Spezial-Kunststoffen

< zurück

Seite: 14/23

11.05.2022

New York (dpa) *23:16 Uhr – Saudi Aramco löst Apple als wertvollstes Unternehmen ab

Der größte Erdölkonzern der Welt, Saudi Aramco, hat am Mittwoch den Technologiekonzern Apple als wertvollstes Unternehmen der Welt abgelöst. Während der Aktienkurs von Saudi Aramco in den vergangenen Wochen von den hohen Ölpreisen profitierte, gerieten die Papiere des iPhone-Herstellers wegen steigender Kapitalmarktzinsen, Lieferengpässen und Wachstumssorgen immer mehr unter Druck. An diesem Mittwoch fiel Apple um fünf Prozent auf den niedrigsten Stand seit Ende Oktober vergangenen Jahres.

Der Kurs von Saudi Aramco war an der Heimatbörse Tadawul in Riad seit Mitte März um mehr als 17 Prozent gestiegen. Der Apple-Kurs büßte hingegen seit Ende März mehr als 18 Prozent ein. Die Aussicht auf steigende Zinsen ließ die Investoren vor allem Technologieaktien verkaufen. Denn in der langen Phase des billigen Geldes hatten Anleger immer mehr auf wachstumsstarke Tech-Unternehmen gesetzt. Nun aber dürften die Zinsen angesichts der hohen Inflation kräftig anziehen, womit sich Apple, Amazon, Microsoft & Co als deutlich überbewertet erweisen könnten.

Die Aktien der Ende 2019 an die Börse gegangenen Saudi Aramco hatten zuletzt ein Rekordhoch erreicht. Das Unternehmen bringt es gegenwärtig auf eine Marktkapitalisierung von umgerechnet 2,43 Billionen Dollar. Damit ließen sie erstmals seit 2020 Apple wieder hinter sich. Das Unternehmen aus Cupertino in Kalifornien ist mit dem Verlust von diesem Mittwoch von gut fünf Prozent nur noch 2,37 Billionen Dollar wert. Allerdings ist nur ein geringer Anteil der Aramco-Aktien frei handelbar, der weitaus größte Teil liegt in staatlichen Händen. Noch zu Jahresanfang war Apple mit rund 3 Billionen Dollar um eine Billion Dollar schwerer als der saudi-arabische Ölproduzent.

Die US-Notenbank Fed dürfte die Leitzinsen in diesem Jahr um weitere 1,5 Prozentpunkte erhöhen. Das und die Aussicht auf einen fortdauernden Krieg in der Ukraine lasse so rasch keine Rückkehr der großen Tech-Konzerne zu alter Stärke erwarten, sagte Tim Ghriskey, Portfoliostratege von Ingalls & Snyder. Er sprach von «Panikverkäufen» bei etlichen Technologietiteln und anderen hoch bewerteten Unternehmen. Die dabei frei werdenden Mittel dürften die Investoren nicht zuletzt in Energiewerte reinvestieren, deren Wachstumsaussichten rosig seien. «Von dieser Gemengelage profitieren Unternehmen wie Saudi Aramco ganz erheblich», so der Experte.

Cambridge (dpa) *19:00 Uhr – Moderna feuert Finanzchef – 700.000 Dollar für zwei Tage

Die für ihren Corona-Impfstoff bekannte US-Biotechfirma Moderna hat ihren Finanzchef, Jorge Gomez, fast unmittelbar nach dessen Amtsantritt wieder entlassen. Grund sei eine interne Untersuchung bezüglich von Finanzberichten seines vorherigen Arbeitgebers Dentsply Sirona, teilte Moderna am Mittwoch mit.

Gomez hatte den Job erst an diesem Montag angetreten. Nachdem Dentsply Sirona am Dienstag die Untersuchung öffentlich machte, war er ihn am Mittwoch schon wieder los. Trotzdem zahlt Moderna Gomez 700.000 Dollar (gut 664 000 Euro) Abfindung, wie aus einer Börsenmitteilung hervorgeht. Er verzichtet demnach aber auf seine Antrittsprämie und Bonusansprüche.

Moderna hatte Gomez im April als Nachfolger für David Meline verpflichtet, der eigentlich in den Ruhestand gehen wollte. Daraus wird nun doch nichts. Meline soll vorerst weiter machen, während das Unternehmen nach einem neuen Finanzvorstand sucht. Moderna-Aktien verbuchten im US-Handel am Mittwoch deutliche Kursverluste.

Berlin (dpa) *17:36 Uhr – Bundestag entscheidet über Energiesicherungsgesetz

Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs und des geplanten Ölembargos gegen Russland entscheidet der Bundestag am Donnerstagabend (Debatte ab etwa 19.00 Uhr) über eine Novelle des Energiesicherungsgesetzes. Die Reform des Gesetzes von 1975 soll es erleichtern, Anlagen der so genannten kritischen Infrastruktur unter staatliche Kontrolle zu bringen.

Ein Beispiel ist die vom russischen Konzern Rosneft betriebene PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt. Die Anlage arbeitet bisher ausschließlich mit russischem Öl. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will sie mit Öl aus anderen Quellen versorgen, damit Deutschland seine Ölimporte aus Russland in den nächsten Monaten vollständig beenden kann.

Bei der Novelle des Energiesicherungsgesetzes geht es nach offiziellen Angaben darum, die «Instrumente der Krisenbewältigung» zu stärken. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, solle die Möglichkeit einer Treuhandverwaltung über Unternehmen der kritischen Infrastruktur sowie als letztes Mittel auch die Möglichkeit einer Enteignung geschaffen werden.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Schwedt (dpa/bb) *17:25 Uhr – Wieder Störaktionen nahe Ölleitungen

Die Störaktionen rund um die Ölversorgung in Brandenburg gehen weiter. Am Mittwoch nahm die Polizei auf dem Gelände der Mineralölverbundleitungs Gesellschaft nahe Hangelsberg einen 28-jährigen Mann und eine 24-jährige Frau in Gewahrsam, die Absperrarmaturen manipuliert und sich dort angekettet hatten. Die Frau hatte sich zudem festgeklebt, wie die Polizei weiter mitteilte.

Eine zweite Aktion fand den Angaben nach in Trampe im Landkreis Barnim statt. Dort traf die Polizei auf zwei Männer im Alter von 23 und 59 Jahren, die den Zaun zum Firmengelände bereits überstiegen und auf die manuellen Regler Zugriff hatten. Die Polizei nahm auch diese beiden Männer in Gewahrsam. Sowohl die Manipulation der Ölleitungen an der Schieberstation nahe Hangelsberg als der Angriff auf die Station bei Trampe ziehen den Angaben nach Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruchs und der Störung öffentlicher Betriebe nach sich.

Bereits am vergangenen Montag hatten Polizisten beim Besuch von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in Schwedt Störaktionen mehrerer Aktivisten auf dem Gelände der Öl-Raffinerie PCK verhindert.

Schwedt/Oder (dpa) *16:49 Uhr – Brandenburg sieht Klärungsbedarf für Dauerversorgung von Raffinerie

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sieht für eine Dauerversorgung der Öl-Raffinerie PCK in Schwedt im Zuge des geplanten EU-Embargos gegen Russland noch keine Lösung – aber auch keinen Zeitdruck. Das Einzige, was noch nicht geklärt sei, sei die Frage der Versorgung der Raffinerie über eine alternative Lieferung von Rostock hinaus bis zur Umstellung auf Dauerbetrieb, sagte Steinbach am Mittwoch im Landtags-Wirtschaftsausschuss. «Aber dafür haben wir an der Stelle reichlich Zeit.» Die nationale Öl-Reserve in Wilhelmshaven reiche 200 Tage für ganz Deutschland. «Die wird im Augenblick bereitgestellt, um Schwedt am Netz zu halten.»

Wegen des Embargos sucht Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) nach alternativen Öl-Quellen. Laut Steinbach würde die Raffinerie mit alternativen Lieferungen über Rostock mit 50 bis 60 Prozent der bisherigen Leistungskapazität betrieben, mit möglichen Lieferungen über Danzig wären es demnach 70 Prozent.

Die Raffinerie kann nach Ansicht des Brandenburger Ministers erhalten bleiben. Bei einem Besuch in der Raffinerie hatte Habeck am Montag Perspektiven für einen Umbau hin etwa zur Nutzung von Wasserstoff aufgezeigt. Steinbach warnte davor, dass Russland und nicht die EU das Öl kappen könnte: «Es kann keiner seine Hand dafür ins Feuer legen, dass - durch welche Schritte auch immer – von russischer Seite die Förderung an der Stelle eingestellt wird», sagte Steinbach.

Ausnahmen des Embargos für Schwedt, das AfD und Linke im Landtag fordern, hält der Minister für unrealistisch.

Die Raffinerie PCK ist mehrheitlich in Händen des russischen Staatskonzerns Rosneft. Dass Rosneft Öl weiterverarbeitet, das nicht aus Russland kommt, gilt als unwahrscheinlich. Deshalb plant die Ampel-Koalition die Möglichkeit einer Treuhandlösung bis hin zu einer Enteignung. Der Bundestag berät darüber erneut am Donnerstag. Auch in der Raffinerie in Leuna in Sachsen-Anhalt wird bisher Öl aus Russland verarbeitet, der Betreiber Total will darauf verzichten.

Die Bürgermeisterin von Schwedt, Annekathrin Hoppe (SPD), hält die Lage ihrer Stadt angesichts der Unsicherheiten für die Raffinerie für schwierig. «So kritisch war die Lage bei uns noch nie, auch nicht nach dem Ende der DDR», sagte sie der «Berliner Zeitung» (Mittwoch). «Es bestehen Zweifel, ob trotz aller Bemühungen von Herrn Habeck tatsächlich alle Arbeitsplätze erhalten bleiben können.»

Magdeburg/Leuna (dpa/sa) *16:25 Uhr – Habeck besucht nach Schwedt nun auch Chemiestandort Leuna

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) besucht den Chemiestandort Leuna in Sachsen-Anhalt. Das teilte die Staatskanzlei in Magdeburg am Mittwoch mit. Habeck wird mit Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Montag auf dem 1300 Hektar großen Industrieareal mehrere Firmen besuchen. Dazu gehört die Raffinerie des französischen Mineralölkonzerns Totalenergies. Zudem besichtigen sie Baustellen.

So errichtet die Firma Linde in Leuna derzeit nach eigenen Angaben eine der europaweit größten Anlagen zur Herstellung von «grünem Wasserstoff», der als Grundstoff und Energiequelle der Zukunft gilt. Der finnische Konzern UPM errichtet in Leuna eine Bioraffinerie, in der auf Holzbasis Rohstoffe für die Chemie hergestellt werden sollen.

Bisher bilden nach Angaben der Betreibergesellschaft des Standorts, der Infraleuna, Gas und Erdöl zum Großteil die Energie- und Produktionsbasis für die ansässigen Firmen mit zusammen rund 12.000 Beschäftigten.

Hintergrund von Habecks Besuch dürfte die aktuelle Diskussion um Öl- und Gaslieferungen nach Deutschland angesichts des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine sein. Der Bundeswirtschaftsminister hatte erst vor einigen Tagen die PCK-Raffinerie in Schwedt (Brandenburg) besucht.

In der Leuna-Raffinerie des französischen Konzerns werden auf der Basis von Rohöl Kraftstoffe hergestellt, wie Benzin und Diesel, für rund 1300 Tankstellen in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Der französische Konzern hatte angekündigt, mit Ablauf dieses Jahres kein russisches Öl mehr kaufen zu wollen.

Washington (dpa) *00:17 Uhr – US-Regierung stellt sich in wichtigem Glyphosat-Verfahren gegen Bayer

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer hat im US-Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat einen Rückschlag erlitten. Die US-Regierung riet dem Supreme Court – dem obersten Gericht im Land – am Dienstag (Ortszeit) von der Annahme eines wegweisenden Falls ab. Das Verfahren könnte Signalwirkung für viele weitere US-Klagen haben. Für den Leverkusener Dax-Konzern geht es dabei um milliardenschwere Rechtsrisiken.

Konkret geht es um die Überprüfung eines Urteils zugunsten des Klägers Edwin Hardeman, der glyphosathaltige Produkte des von Bayer übernommenen US-Herstellers Monsanto für seine Krebserkrankung verantwortlich macht. Ihm waren 2019 nach einem Gerichtsprozess letztendlich gut 25 Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen worden. Bayer hofft, dass der Supreme Court die Entscheidung kippt.

Doch ob das oberste US-Gericht sich mit dem Fall befasst, ist bislang unklar. Im Dezember hatten die Richter angekündigt, die Meinung der US-Regierung dazu einzuholen, was zunächst als Zeichen des Interesses und somit positiv für Bayer schien. Doch nun liegt die Empfehlung des Justizministeriums vor – es schlägt sich auf die Seite des Klägers. Der Argumentation Bayers, dass Bundesrecht Schadenersatzansprüche in einzelnen US-Staaten verhindere, stimmte die Regierung nicht zu.

«Wir sind weiterhin überzeugt, dass es gute rechtliche Argumente für den Supreme Court gibt, den Fall Hardeman zu überprüfen und das Urteil zu korrigieren», teilte Bayer in einem Statement mit. Dies bestätigten auch zahlreiche Stellungnahmen, die bei Gericht dazu eingereicht worden seien. So habe etwa die US-Umweltschutzbehörde EPA mehrfach festgestellt, dass glyphosatbasierte Herbizide sicher genutzt werden könnten und nicht krebserregend seien.

Für den Fall, dass der Supreme Court sich mit dem Glyphosat-Verfahren nicht befassen will oder letztlich gegen Bayer entscheidet, hatte der Konzern im Sommer Rückstellungen von 4,5 Milliarden Dollar gebildet. Mit dem Geld würde dann ein Programm aufgesetzt, um in den kommenden 15 Jahren mit den Forderungen neuer Kläger umzugehen. Die Probleme rund um den Glyphosat-Unkrautvernichter Roundup hatte Bayer sich 2018 mit dem über 60 Milliarden Dollar teuren Monsanto-Kauf aufgehalst.

(ID:48267922)