Tarifrunde Süßwarenindustrie 2026 Bayern einigt sich per Schlichtung – in NRW spitzt sich der Streit zu

Von dpa, BDSI 3 min Lesedauer

Nach 20-stündigen Schlichtungsverhandlungen steigen die Entgelte in der bayerischen Süßwarenindustrie rückwirkend zum 1. Juni um 2,9 Prozent. In NRW dagegen bleibt der Tarifkonflikt ungelöst: Nach Warnstreiks bei Haribo, Lindt und Lambertz ist die vierte Verhandlungsrunde erst für den 13. August angesetzt.

Während sich Arbeitgeber und Gewerkschaft in Bayern auf eine zweistufige Entgelterhöhung von insgesamt 6,1 Prozent binnen 24 Monaten einigten, fordert die NGG in NRW für rund 17.000 Beschäftigte weiterhin 5,8 Prozent bei nur 12 Monaten Laufzeit.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Während sich Arbeitgeber und Gewerkschaft in Bayern auf eine zweistufige Entgelterhöhung von insgesamt 6,1 Prozent binnen 24 Monaten einigten, fordert die NGG in NRW für rund 17.000 Beschäftigte weiterhin 5,8 Prozent bei nur 12 Monaten Laufzeit.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Für die Beschäftigten der bayerischen Süßwarenindustrie gibt es mehr Geld. Rückwirkend zum 1. Juni steigen die Entgelte um 2,9 Prozent, wie der Arbeitgeberverband BDSI mitteilt. Zum 1. November soll es um weitere 0,3 Prozent nach oben gehen, am 1. Juni 2027 dann noch einmal um 2,9 Prozent. Zudem erhalten die Beschäftigten im August 2026 und 2027 jeweils eine Erholungsbeihilfe von 80 Euro. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 24 Monaten.

Die Erhöhung ist das Ergebnis 20-stündiger Schlichtungsverhandlungen unter Vorsitz des Präsidenten des Landesarbeitsgerichts in München, Harald Wanhöfer. Erst in den frühen Morgenstunden des Samstags kam es zu einer Einigung, die laut BDSI einstimmig angenommen wurde und damit verbindlich ist. Davor hatten sich die Tarifparteien in drei Verhandlungsrunden nicht einigen können.

Zwei-Jahres-Tarifabschluss für die Süßwarenindustrie in Bayern
  • Laufzeit 24 Monate bis 30.04.2028
  • Leermonat Mai 2026
  • Erhöhung der Entgelte um 2,9 Prozent zum 01.06.2026
  • weitere Erhöhung der Entgelte um 0,3 Prozent zum 01.11.2026
  • weitere Erhöhung der Entgelte um 2,9 Prozent zum 01.06.2027
  • Zahlung einer Erholungsbeihilfe in Höhe von 80 € im August 2026, Teilzeitbeschäftige anteilig
  • Zahlung einer weiteren Erholungsbeihilfe in Höhe von 80 Euro im Mai 2027, Teilzeitbeschäftigte anteilig
  • Auf die Auszubildenden werden die prozentualen Erhöhungen in genannter Höhe umgesetzt. Die Erholungsbeihilfen erhalten sie jeweils zur Hälfte.

In NRW geht der Tarifstreit weiter

Beim Gummibärchen-Hersteller Haribo hatten Beschäftigte am Stammwerk in Bonn ihre Arbeit niedergelegt und für mehr Lohn gestreikt. Zur Zahl der Streikenden machten die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und das Unternehmen unterschiedliche Angaben. Sarah Richter von der NGG sagte am Freitagnachmittag, die Hälfte der Frühschicht-Besetzung sei der Arbeit ferngeblieben. Bei der Spätschicht sei der Anteil noch deutlich höher gewesen. Die Rede war von mehreren Hundert Beteiligten.

Eine Haribo-Sprecherin sprach hingegen von einer Zahl im niedrigen zweistelligen Bereich. „Der Betrieb läuft nach wie vor weiter.“ Die Gewerkschaft berichtete von einer schleppenden Produktion von Fruchtgummi und Lakritz. Soweit bekannt, seien dabei auch Beschäftigte aus anderen Bereichen eingesetzt worden, „um die Abläufe am Laufen zu halten“.

An einer Kundgebung vor dem Werkstor beteiligten sich nach Angaben der NGG etwa 90 Menschen. An dem Standort sind laut Haribo etwa 600 Menschen beschäftigt. Der Warnstreik läuft 18 Stunden und endet am Freitagabend um 23 Uhr. Auch andere Betriebe wie Lindt und Lambertz wurden bestreikt.

Was die Gewerkschaft fordert und die Arbeitgeber bieten

Der Tarifvertrag in der NRW-Süßwarenindustrie gilt den Angaben zufolge für rund 17.000 Beschäftigte, dabei inbegriffen sind neben Haribo auch Standorte von Katjes in Emmerich, Storck in Halle/Westfalen und dem Kartoffelchips-Hersteller Intersnack („funny-frisch“) in Grevenbroich.

Der bisherige Tarifvertrag lief Ende April aus, die NGG fordert ein Lohnplus von 5,8 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Die Arbeitgeber bieten einen 24 Monate laufenden Tarifvertrag, bei dem es in zwei Schritten um jeweils zwei Prozent nach oben gehen soll. Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie bietet zudem zwei Einmalzahlungen von je 156 Euro netto.

Die Lage der Branche sei angespannt, heißt es vom Verband. Die Produktionsmenge der deutschen Süßwarenindustrie sei 2025 um knapp vier Prozent auf 3,73 Millionen Tonnen gesunken. Zugleich blieben die Kosten für Rohstoffe, Energie und Logistik hoch. Die Forderung der Gewerkschaft sei wirtschaftlich nicht tragfähig. Die vierte Verhandlungsrunde ist für den 13. August geplant.

Haribo verkaufte 2025 so viele Süßigkeiten wie nie zuvor

Haribo meldete im Mai einen Absatzrekord. Der Absatz des Unternehmens legte 2025 weltweit um 4,5 Prozent zu. Haribo-Produkte sind nach Unternehmensangaben in fast 200 Ländern weltweit zu kaufen. Sie werden demnach an 16 Standorten in elf Ländern produziert. Haribo beschäftigt rund 8.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Seit 2018 hat das Unternehmen seinen Sitz in Grafschaft in Rheinland-Pfalz.

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