GTAI-Report zu Wachstumsmarkt Polen Polen auf Erfolgskurs – Chance und Bedrohung für deutsche Produzenten zugleich

Von GTAI 3 min Lesedauer

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Die polnische Lebensmittelindustrie boomt und drängt mit Rekordexporten nach Deutschland. Was das für deutsche Hersteller bedeutet – und wo noch Chancen liegen.

Mit über 11 Prozent Wachstum und Rekordexporten nach Deutschland sendet die polnische Lebensmittelindustrie ein klares Signal. (Bild:  frei lizenziert / ChatJPT Image Editor / KI-generiert /  Pixabay)
Mit über 11 Prozent Wachstum und Rekordexporten nach Deutschland sendet die polnische Lebensmittelindustrie ein klares Signal.
(Bild: frei lizenziert / ChatJPT Image Editor / KI-generiert / Pixabay)

Die polnische Nahrungsmittelindustrie hat 2025 mit einem Plus von über 11 Prozent ein beeindruckendes Wachstum hingelegt. Treiber ist das Exportgeschäft. Es hat sich laut Eurostat‑Daten im Vergleich zu Inlandsverkäufen fast verdoppelt. Rund 25 Prozent davon gingen nach Deutschland. Damit sind wir Polens wichtigster Absatzmarkt. Der GTAI-Korrespondent für Polen Christopher Fuß analysiert in seinem aktuellen Report die aktuelle Lage der polnischen Ernährungswirtschaft: von Markttrends und Branchenstrukturen über regulatorische Rahmenbedingungen bis hin zu konkreten Investitionsprojekten. Für deutsche Lebensmittelproduzenten, die den polnischen Markt erschließen oder ihre bestehende Position ausbauen wollen, liefert der Bericht wertvolle – und teils ernüchternde – Erkenntnisse. Die folgende Zusammenfassung destilliert die fünf wichtigsten Punkte, die deutsche Hersteller kennen müssen:

1. Starke Heimkonkurrenz macht den Markteinstieg schwer

Der polnische Inlandsmarkt ist stark durch heimische Produkte dominiert – bei Fleisch, Milchprodukten, Eiern und Backwaren liegt der Anteil polnischer Erzeugnisse laut Landwirtschaftsministerium bei bis zu 90 Prozent. Das staatlich geförderte Herkunftssiegel „Produkt Polski“ sowie politischer Druck (z. B. Forderungen nach Pflichtquoten für heimische Waren) verstärken diesen Trend. Für deutsche Anbieter bedeutet das: Ein direkter Markteinstieg im Masseneinzelhandel ist sehr schwierig – es sei denn, man findet einen strategischen Partner oder Nischenzugang. So gelang es dem Hamburger Getränkehersteller fritz-kola 2025 durch eine Kooperation mit Lidl Polska, seine Cola-Getränke erstmals landesweit im polnischen Einzelhandel zu platzieren.

2. Vom Lieferanten zum Konkurrenten: Polens neue Rolle

Polnische Lebensmittelhersteller expandieren aktiv nach Deutschland und Europa: 2025 exportierte Polen Agrar- und Lebensmittelwaren im Rekordwert von 58,4 Mrd. Euro – Deutschland ist mit rund 25 Prozent Anteil der wichtigste Abnehmer. Gleichzeitig übernehmen polnische Firmen aktiv deutsche Unternehmen, z. B. ging Colian an Gubor, Morliny Foods an Wolf Group Bayern. Deutsche Hersteller stehen also nicht nur in Polen, sondern auch zuhause unter zunehmendem Wettbewerbsdruck aus Polen.

3. Neue Pflichten: Pfand, Verpackung und Cybersicherheit

Wer Getränke nach Polen liefert, muss seit Oktober 2025 das neue Pfandsystem beachten, das Einweg-Kunststoffflaschen bis drei Liter, Metalldosen bis einem Liter sowie Mehrweg-Glasflaschen bis 1,5 Liter erfasst – mit einem Pfandwert von rund 0,11 Euro für Einwegverpackungen und 0,22 Euro für Mehrwegflaschen. Ab Januar 2027 kommt zudem eine neue Verpackungsabgabe im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung (EHV-System) hinzu, die Hersteller finanziell belastet. Zusätzlich gilt seit April 2026 das novellierte KSC-Gesetz (NIS-2-Umsetzung): Lebensmittelhersteller ab bestimmten Schwellenwerten werden als „wichtige Einrichtungen“ eingestuft und müssen erhöhte IT-Sicherheitspflichten erfüllen. Pflichtangaben auf Verpackungen müssen zudem auf Polnisch vorliegen.

4. Nischen statt Massenmarkt: Wo deutsche Hersteller punkten können

Wachstumspotenzial besteht für deutsche Hersteller vor allem in spezialisierten Segmenten: Besonders gefragt sind proteinreiche Milchprodukte wie Joghurt, Quark und Frischkäse, deren Absatz 2025 um 8,5 Prozent zulegte, sowie Barista-Pflanzendrinks und Produkte mit reduziertem Zuckergehalt. Fleischersatz, Bio und vegane Produkte sind dagegen marginale Nischen: Ökologische Lebensmittel kommen laut Branchenverband PIŻE lediglich auf einen Marktanteil von rund einem Prozent, während vegetarische und vegane Fleischalternativen weniger als zwei Prozent des Volumens klassischer Fleischprodukte erreichen. Deutsche Qualitätshersteller mit Health-Positioning oder Premium-Funktionalität haben hier bessere Chancen als im Massenmarkt.

5. Kein Markt für Premiumpreise ohne starkes Argument

Bis zu zwei Drittel der polnischen Verbraucher nennen laut einer Payback-Studie den Preis als wichtigstes Kaufkriterium. Der Markt ist durch Discounter und preisorientierte Handelsstrukturen geprägt. Für deutsche Hersteller – die strukturell oft teurer produzieren als polnische Wettbewerber – bedeutet das: Ohne überzeugendes Preis-Leistungs-Narrativ, klare Differenzierung oder einen speziellen Vertriebskanal, wie Fachhandel, Gastronomie oder Online, wird eine Positionierung im polnischen Massenmarkt kaum gelingen.

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