Rohstoffqualität im Wandel Extremwetter und CO₂-Anstieg setzen Produktionsplanung unter Druck

Von Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie, Mutti 1 min Lesedauer

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Die Lebensmittelindustrie muss sich auf volatilere Rohstoffmärkte und veränderte Verarbeitungseigenschaften einstellen. Aktuelle Daten belegen sinkende Glutengehalte bei Weizen und witterungsbedingte Ertragseinbußen in wichtigen Tomatenanbaugebieten.

Stresstest unter freiem Himmel: Auf diesem Flickenteppich aus Versuchsparzellen suchen Forscher nach den widerstandsfähigen Getreidesorten von morgen. Die entscheidende Frage: Welche Züchtungen liefern auch unter dem Druck von steigenden CO₂-Werten und extremer Witterung verlässliche Qualitäten für die Lebensmittelproduktion?(Bild:  Dr. Sabrina Geißlitz)
Stresstest unter freiem Himmel: Auf diesem Flickenteppich aus Versuchsparzellen suchen Forscher nach den widerstandsfähigen Getreidesorten von morgen. Die entscheidende Frage: Welche Züchtungen liefern auch unter dem Druck von steigenden CO₂-Werten und extremer Witterung verlässliche Qualitäten für die Lebensmittelproduktion?
(Bild: Dr. Sabrina Geißlitz)

Der Klimawandel hat zunehmend direkte Auswirkungen auf die Qualität und die Produktionsbedingungen zentraler Grundnahrungsmittel. Aktuelle Daten aus der Forschung und der Industrie zeigen signifikante Veränderungen bei Weizenproteinen durch steigende CO₂-Konzentrationen sowie erntebedrohende Extremwetterlagen im Tomatenanbau.

Eine Studie unter Federführung des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München belegt, dass erhöhte atmosphärische Kohlenstoffdioxid-Werte die Proteinzusammensetzung von Weizen verändern. In Feldversuchen bauten Forscher zehn Winterweizensorten unter realitätsnahen Bedingungen an, wobei ein Teil einer erhöhten CO₂-Konzentration von 546 ppm ausgesetzt war – gegenüber dem aktuellen Wert von etwa 425 ppm. Das Ergebnis: Unter erhöhten CO₂-Bedingungen nahmen die Konzentrationen von Glutenproteinen generell ab, was laut Studie mit einer schlechteren Backqualität einherging.

Die Reaktionen der Pflanzen fielen jedoch stark sortenabhängig aus. Während sich der Eiweißgehalt bei neun der untersuchten Sorten um 1,9 bis 10,3 Prozent verringerte, stieg er bei der Sorte Hyvega unter eCO₂-Bedingungen um 2,7 Prozent an. Die Wissenschaftler betonten die Notwendigkeit, künftig Sorten zu züchten, die ihre Qualität auch unter steigenden CO₂-Konzentrationen bewahren.

Extremwetter erzwingt Flexibilität in der Kampagnenplanung

Parallel dazu meldet die italienische Tomatenindustrie gravierende Auswirkungen durch Extremwetter. Nach Angaben des verarbeitenden Unternehmens Mutti SpA begann die Saison 2026 aufgrund einer durch Hitze beschleunigten Reifung bereits in der ersten Juliwoche und damit früher als je zuvor. Außergewöhnlich hohe Temperaturen und heftige Hagelstürme beeinträchtigten die Pflanzenentwicklung erheblich und führten insbesondere in Norditalien zu Hektarerträgen unterhalb des Fünfjahresdurchschnitts.

Francesco Mutti, CEO von Mutti SpA, wies auf die systemischen Risiken hin, insbesondere durch die zunehmende Wasserknappheit in der Po-Ebene infolge schwindender Gletscher. Er forderte umgehende Investitionen in die Infrastruktur: „Die Widerstandsfähigkeit der Branche darf nicht von günstigen äußeren Bedingungen abhängen.“

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