Ernährungsempfehlungen der DGE Milch oder Haferdrink – Tipps bei Lactoseintoleranz

Quelle: Pressemitteilung Deutsche Gesellschaft für Ernährung 3 min Lesedauer

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Eine Lactoseintoleranz erfordert nicht zwangsläufig kompletten Verzicht auf Milch. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt Tipps zum Austesten der individuellen Verträglichkeitsgrenze. Wer umsteigen möchte, findet in pflanzlichen Alternativen wie Soja-, Hafer- oder Mandeldrinks einen vollwertigen Ersatz – vorausgesetzt, diese sind mit Calcium und Jod angereichert.

Die deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt Tipps zum Umgang mit Lactoseintoleranz (Symbolbild).(Bild:  DGE)
Die deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt Tipps zum Umgang mit Lactoseintoleranz (Symbolbild).
(Bild: DGE)

Milch und Milchprodukte gehören für viele nach wie vor zur täglichen Ernährung dazu. Doch Verbraucher greifen statt auf Kuhmilch immer häufiger auf pflanzliche Milchalternativen zurück – auch aus gesundheitlichen Gründen. Für Personen mit einer Unverträglichkeit gegenüber Lactose (Milchzucker) sind Soja-, Hafer-, Mandel- und Reisdrinks und Kokosmilch als Milchersatz geeignet. Vorausgesetzt sie sind mit Calcium und Jod sowie bei vegetarischer bzw. veganer Ernährung zusätzlich mit Riboflavin (Vitamin B2) und Vitamin B12 angereichert. Auf Milch und Milchprodukte komplett verzichten brauchen Betroffene jedoch nicht, wie es in einer Pressemeldung der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) heißt

An einer so genannten Lactoseintoleranz leiden etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen in Deutschland. Ihnen fehlt das milchzuckerspaltende Enzym Lactase oder es ist in seiner Aktivität vermindert. Dadurch gelangt die Lactose unverändert in den Dickdarm, wo Darmbakterien sie vor allem zu Gasen und Säuren abbauen. Mögliche Folgen sind Durchfall, Blähungen, Magenkrämpfe, heftige Bauchschmerzen sowie Völlegefühl. Meist besteht allerdings noch eine Restaktivität des Enzyms Lactase, sodass ein genereller Verzicht auf Milch und Milchprodukte in der Regel nicht erforderlich ist.

Drei Formen der Unverträglichkeit

Bei der Lactoseintoleranz werden verschiedene Formen unterschieden.

  1. Der primäre Lactasemangel (Hypolactäsie), der genetisch bedingt ist, tritt am häufigsten auf. Hier lässt die Aktivität des Enzyms im Laufe des Lebens nach.
  2. Eine vorübergehende (sekundäre) Lactoseintoleranz kann als Folge anderer Krankheiten des Magen-Darm-Trakts auftreten. Hierzu gehören beispielsweise Zöliakie, chronisch entzündliche Darmkrankheiten, Magen-Darm-Operationen, Strahlentherapie bei Krebskrankheiten und Infektionen. Nach Behandlung der Grunderkrankung vertragen Betroffene Lactose gewöhnlich wieder.
  3. Sehr selten ist der kongenitale Lactasemangel (Alactasie), bei dem von Geburt an das Enzym Lactase fehlt und bei Säuglingen zu Entwicklungsstörungen führt. In diesem Fall ist eine konsequent lactosefreie Ernährung mit Spezialnahrungen erforderlich. Nach ärztlicher Diagnose, z. B. durch einen Wasserstoff(H2)-Atemtest, wird die individuelle Verträglichkeit von Lactose ermittelt. Sie ist von Mensch zu Mensch verschieden und hängt von mehreren Faktoren ab. Neben der Restaktivität des Enzyms spielen dabei u. a. die Zusammensetzung des Darmmikrobioms sowie die Menge und Zusammensetzung der zeitgleich verzehrten Lebensmittel eine Rolle.

Drei Phasen der Ernährungsumstellung

Um die verträgliche Lactosemenge zu bestimmen, ist eine Ernährungsumstellung in drei Phasen empfehlenswert. In der Karenzphase von zwei Wochen wird Lactose weitestgehend gemieden, damit die Beschwerden abklingen. Für den Alltag bedeutet das, Milch und Milchprodukte zu reduzieren und Lebensmittel und Getränke wegzulassen, die mit Milch oder Lactose hergestellt wurden. Angereicherte Produkte wie Soja-, Hafer, Mandel- und Reisdrinks und Kokosmilch sowie lactosefreie Milch und Milchprodukte sind dann eine gute Alternative, ebenso wie gereifter Käse, z. B. Hart- und Schnittkäse wie Gouda, Edamer oder Parmesan. Diese Käsesorten enthalten nur wenig Lactose, da bei der Reifung die enthaltene Lactose abgebaut wird.

In der Testphase, werden nach und nach Milch und Milchprodukte wieder in den Speisenplan aufgenommen, verteilt auf mehrere Portionen am Tag. Es ist empfehlenswert, Milch und Milchprodukte zusammen mit einer Mahlzeit aufzunehmen, z. B. Joghurt als Dessert oder Rührei mit Milch. Nicht wärmebehandelte Sauermilchprodukte wie Kefir, Quark und stichfester Joghurt, werden häufig gut vertragen. Sie weisen zwar einen hohen Lactosegehalt auf, der aber durch die enthaltenen Milchsäurebakterien weitestgehend abgebaut wird.

Die Testphase geht fließend in die Dauerernährung über, die bestenfalls keine nennenswerten Beschwerden verursacht und den individuellen Ernährungsgewohnheiten entgegenkommt. Eine Orientierung für die Lebensmittelauswahl geben die DGE-Empfehlungen für eine gesundheitsfördernde und nachhaltige Ernährung. Bei einer Einladung zum Essen oder einem Restaurantbesuch können in Absprache mit dem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft lactasehaltige Enzympräparate hilfreich sein. Dauerhaft sind sie jedoch nicht empfehlenswert. Da Milch und Milchprodukte gute Calciumlieferanten sind, ist eine ausreichende Versorgung mit diesem Mineralstoff durch die gezielte Auswahl von calciumreichen und lactosearmen bzw. -freien Lebensmitteln wichtig.

Weitere Informationen zu Kuhmilch(-produkten) und pflanzlichen Milchalternativen gibt es im DGE-Positionspapier.

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