140 Jahre Tradition in Gefahr Liquiditätsprobleme zwingen Halberstädter Würstchen zum Verkauf

Von Manja Wühr 1 min Lesedauer

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Steigende Kosten und ein schrumpfender Markt haben das traditionsreiche Unternehmen in die Knie gezwungen. Trotz Schutzschirmverfahren und Sanierungsplänen soll nun ein Investor die 150 Arbeitsplätze retten.

Halberstädter Würstchen suchen neuen Besitzer: Nach fast 35 Jahren gibt die Unternehmerfamilie Nitsch auf – die Liquidität ist zu schwierig geworden.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Halberstädter Würstchen suchen neuen Besitzer: Nach fast 35 Jahren gibt die Unternehmerfamilie Nitsch auf – die Liquidität ist zu schwierig geworden.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Der Produktionsbetrieb der Halberstädter Würstchen samt Marke steht zum Verkauf. Die Unternehmerfamilie um den Seniorchef Ulrich Nitsch steige nach fast 35 Jahren aus, teilte die Prokuristin Silke Erdmann-Nitsch in Halberstadt mit. „Die Liquidität ist extrem schwierig.“ Die Finanzierung habe nicht funktioniert. Derzeit laufe die Produktion weiter. Laut Erdmann-Nitsch hat die Unternehmensgruppe, zu der auch ein Hotelbetrieb gehört, rund 150 Mitarbeiter. Umsatzzahlen nennt das Unternehmen nicht.

„Sowohl der Lebensmitteleinzelhandel als auch die Produktionsbetriebe in Deutschland haben sich zusammengeschlossen. Einzelne mittelständische Unternehmen stoßen heute zu schnell an ihre Grenzen“, hieß es in der Mitteilung. „Da der Konservenbetrieb sehr leistungsstark und erweiterungsfähig ist, eignet er sich für die Bevorratung, eventuell Belieferung der Bundeswehr auch europaweit. Es soll ein leistungsstarker Käufer gesucht werden.“

Sanierungspläne scheiterten

Die Unternehmensgruppe rund um die Halberstädter Würstchen war von gestiegenen Energie-, Fleisch- und Personalkosten getroffen gewesen. Die Produktionsgesellschaft bei Halberstädter war in einem umkämpften und auch rückläufigen Markt in Schieflage geraten. Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit war ein sogenanntes Schutzschirmverfahren begonnen worden.

Vor gut einem Jahr hatte das Unternehmen gemeinsam mit einem Sanierungsexperten noch Pläne vorgestellt, unter anderem Suppen für eine Eigenmarke zu produzieren. Es sollte stärker auf Geflügelwürstchen sowie auf Brat- und Grillbratwürste gesetzt werden. Von Halal-Produkten versprach man sich Marktchancen im Ausland.

Geschützte Spezialität mit langer Geschichte

Das Unternehmen hat eine mehr als 140 Jahre lange Tradition. Zu DDR-Zeiten befand sich das Unternehmen in Volkseigentum, 1992 wurde es von der Unternehmerfamilie Nitsch übernommen. Die Produktpalette reicht von Fleisch- und Wurstkonserven über frische Produkte bis zu Suppen und Fertiggerichten.

Die traditionellen Halberstädter Würstchen sind kamingeräuchert und in einem speziellen Verfahren gereift. Laut Erdmann-Nitsch können die Halberstädter Würstchen nur in Halberstadt hergestellt werden, es handele sich um eine geografisch geschützte Angabe.

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