Ein neues Verfahren wandelt Nebenströme aus Erbse, Soja und Ackerbohne in hochwertige Ballaststoffe um. Die Zutaten verbessern gezielt Textur und Stabilität in Backwaren und Füllungen.
Fraunhofer IVV zeigt, wie sich Schalen und Okara zu funktionellen Zutaten aufbereiten lassen. Optimierte Trocknung und milde Stabilisierung ermöglichen lagerstabile Ballaststoffe mit hoher Prozessfunktionalität.
Nebenströme aus der Verarbeitung von Erbsen, Ackerbohnen und Soja gelten bislang als wenig genutzte Rohstoffe. Im Forschungsprojekt „LeguFiber“ zeigt das Fraunhofer IVV, dass sich daraus funktionelle und lagerstabile Ballaststoffzutaten für Lebensmittel herstellen lassen. Im Fokus standen Schalenfraktionen sowie feuchte Extraktionsrückstände wie Okara, die bisher meist als Futtermittel genutzt oder entsorgt werden.
Ziel des Projekts war es, diese Nebenströme technologisch so aufzubereiten, dass sie wirtschaftlich einsetzbare Zutaten mit neutralem Geschmack und klaren funktionellen Eigenschaften liefern. Dafür wurden die Rohstoffe zunächst umfassend charakterisiert. Schalen enthalten besonders hohe Ballaststoffgehalte von bis zu über 90 Prozent, weisen jedoch auch höhere Gehalte an antinutritiven Stoffen auf. Extraktionsrückstände wie Okara bieten dagegen bessere funktionelle Eigenschaften, etwa bei Wasserbindung und Viskosität.
Schalen oder Okara: Zwei Rohstofftypen mit unterschiedlichen Stärken
Aus diesen Erkenntnissen wurde eine skalierbare Prozesskette entwickelt. Für trockene Schalen steht eine milde hydrothermische Behandlung im Zentrum. Bei Temperaturen um 80 Grad Celsius und kurzer Behandlungszeit lassen sich Keimbelastung sowie Gehalte an Phytinsäure und Tanninen deutlich reduzieren. Gleichzeitig bleiben die funktionellen Eigenschaften weitgehend erhalten. Intensivere thermische Verfahren führen zwar zu einer stärkeren Reduktion unerwünschter Inhaltsstoffe, verschlechtern jedoch die technologische Funktionalität.
Für feuchte Nebenströme wie Soja-Okara ist die Trocknung der entscheidende Schritt. Hier erwiesen sich Bandtrocknung und insbesondere die Vakuum-Walzentrocknung als geeignet. Beide Verfahren ermöglichen eine Trockensubstanz von etwa 90 Prozent und damit eine mikrobiologisch stabile Lagerung. Die Walzentrocknung liefert zudem Ballaststoffpräparate mit hoher Wasserbindung und ausgeprägter Viskosität. In einzelnen Fällen wurden Werte erreicht, die über denen von etablierten Citrusfasern liegen.
Im Anschluss an die Trocknung erfolgt die Feinvermahlung. Kleine Partikelgrößen erhöhen die Oberfläche der Fasern und verbessern Wasserbindevermögen und Texturwirkung. Zusätzliche Prozessschritte wie Extrusion wurden untersucht, brachten jedoch nur geringe funktionelle Vorteile und gelten aus wirtschaftlicher Sicht als nicht erforderlich.
Die resultierenden Ballaststoffzutaten sind bei Raumtemperatur mindestens 44 Wochen lagerstabil. Schalenbasierte Produkte zeigen sogar noch längere Stabilität. Gleichzeitig sind die Präparate sensorisch weitgehend neutral und lassen sich ohne dominante Eigengeschmäcker in verschiedene Anwendungen integrieren.
Funktionelle Wirkung im Produkt: Einsatz in Backwaren und Füllungen
Für Lebensmittelproduzenten ergeben sich daraus konkrete Einsatzmöglichkeiten. In Backwaren kann ein Teil des Mehls ersetzt werden. Bei einem Anteil von etwa 25 Prozent lassen sich ballaststoffreiche Produkte herstellen, ohne die sensorische Qualität stark zu beeinträchtigen. In backstabilen Füllungen reichen bereits geringe Dosierungen um zwei Prozent aus, um technologische Effekte wie eine reduzierte Synärese zu erzielen. Die Textur wird stabiler und die Wasserabgabe während der Lagerung verringert sich.
Grenzen zeigen sich vor allem bei der Sensorik und Partikelwahrnehmung. Schalenfasern können bei höheren Einsatzmengen ein leicht sandiges Mundgefühl erzeugen. Extraktionsrückstände wie Okara schneiden hier besser ab und wurden in Anwendungen teilweise sogar positiv bewertet.
Insgesamt belegt das Projekt, dass sich Nebenströme der Leguminosenverarbeitung in funktionelle Zutaten mit klar definierten Eigenschaften überführen lassen. Entscheidend ist eine schonende Prozessführung, die Funktionalität erhält und gleichzeitig Sicherheit und Haltbarkeit gewährleistet. Für Hersteller eröffnet sich damit die Möglichkeit, neue Ballaststoffquellen zu erschließen, Rezepturen anzureichern und gleichzeitig Rohstoffverluste zu reduzieren.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Der Abschlussbericht steht als zum Download zur Verfügung.