ErnährungsindustrieDeutsche Ernährungsindustrie verzeichnet weiteren Umsatzrückgang
Quelle: dpa
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Der Umsatz der deutschen Ernährungsindustrie ist nach dem Verlustjahr 2023 auch im ersten Halbjahr 2024 um 1,4 Prozent zurückgegangen. Die Preise für pflanzliche Produkte sind deutlich gestiegen, während tierische Produkte günstiger geworden sind.
Deutsche Ernährungsindustrie verzeichnet weiteren Umsatzrückgang im ersten Halbjahr 2024
(Bild: pixabay)
In nominalen Zahlen erwirtschaftete die Lebensmittelbranche im ersten Halbjahr 2024 insgesamt 114,5 Milliarden Euro. Im Vergleich dazu waren es im Vorjahreszeitraum 116,1 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 1,4 Prozent entspricht. Im Inland lag der Umsatz bei insgesamt 73,7 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Im Ausland sank der Umsatz um 0,8 Prozent und betrug 40,7 Milliarden Euro. Während die Verkaufspreise der Ernährungsindustrie im Inland um 0,6 Prozent zurückgingen, stiegen sie im Ausland um 0,7 Prozent. Der Auslandsanteil am Umsatz beträgt somit 35,6 Prozent.
Leichte Entlastung bei Rohstoffpreisen
Die Erzeugerpreisindizes landwirtschaftlicher Produkte sind im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr um 1,9 Prozent gesunken. Während die Preise für tierische Produkte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,7 Prozent zurückgingen, verteuerten sich pflanzliche Produkte um 2,4 Prozent. Besonders stark gestiegen sind die Preise für Speisekartoffeln (plus 44,6 Prozent), Gemüse (plus 28,8 Prozent) und Eier (plus 9,1 Prozent). Im Gegensatz dazu sanken die Preise für Getreide (minus 22,5 Prozent), Geflügel (minus 9,7 Prozent) und Milch (minus 6,6 Prozent). Verglichen mit dem Vorkrisenniveau Anfang 2020 stieg der Teilindex für pflanzliche Produkte mit einem Zuwachs von gut 40 Prozent deutlich stärker als der Teilindex für tierische Produkte (knapp 30 Prozent), was das weiterhin hohe Preisniveau unterstreicht.
Stimmungslage in der deutschen Ernährungsindustrie
Der ifo-Geschäftsklimaindex der Ernährungsindustrie zeigte sich im ersten Halbjahr 2024 sehr volatil. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verbesserte sich das Geschäftsklima leicht, lag jedoch mit durchschnittlich 99,3 Punkten noch knapp unter der neutralen Marke von 100. Die aktuelle Geschäftslage wurde mit einer durchschnittlichen Punktzahl von 101,1 etwas besser bewertet als die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate. Die Erwartungen an die Verkaufspreise für die kommenden drei Monate stiegen ebenfalls und blieben durchweg im positiven Bereich. Zum Ende des ersten Halbjahres zeigte sich zudem ein negativer Trend bei den Beschäftigungserwartungen, die zu Jahresbeginn noch positiv waren.
Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), warnt: «Der anhaltende wirtschaftliche Abschwung in der Ernährungsindustrie ist alarmierend. Wir müssen dringend gegensteuern, bevor Innovationskraft und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen ernsthaft gefährdet sind.»
Bürokratie, Standortfaktoren & Produktivität
Obwohl die Beschäftigtenzahlen in den letzten Jahren leicht gestiegen sind, ist der preisbereinigte Umsatz der deutschen Ernährungsindustrie seit geraumer Zeit rückläufig. Dies könnte auf eine sinkende Produktivität hindeuten, da immer mehr Arbeitskräfte benötigt werden, um einen schrumpfenden preisbereinigten Umsatz zu erwirtschaften. Ein möglicher Grund dafür könnte der Anstieg der bürokratischen Belastungen sein. So stellte der Normenkontrollrat in seinem jüngsten Jahresbericht fest, dass «die Bürokratielasten weiterhin extrem hoch seien». Zudem führt die anhaltende konjunkturelle Unsicherheit dazu, dass viele eigentlich notwendige Investitionen aufgeschoben werden.
«Die wachsende Bürokratie ist eine erhebliche Belastung für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen. Wir müssen dringend den Verwaltungsaufwand reduzieren, damit Innovationen und Investitionen nicht weiter ausgebremst werden», so Minhoff.
In der Ernährungsindustrie erwirtschaften knapp 6.000 Betriebe einen jährlichen Umsatz von 232,6 Mrd. Euro. Mit rund 644.000 Beschäftigten ist diese Branche der viertgrößte Industriezweig Deutschlands. Dabei ist die Branche klein- und mittelständisch geprägt: 90 Prozent der Unternehmen der deutschen Ernährungsindustrie gehören dem Mittelstand an. Die Exportquote von 35 Prozent zeigt, dass Kunden auf der ganzen Welt die Qualität deutscher Lebensmittel schätzen.
Stand: 08.12.2025
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