Schlichtung gescheitert Tarifstreit bei Oettinger: 45-Stunden-Woche lässt Einigung platzen

Von NGG, dpa 2 min Lesedauer

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Der Tarifkonflikt bei der Großbrauerei Oettinger spitzt sich zu. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat das Schlichtungsverfahren für gescheitert erklärt und bereitet neue Arbeitskampfmaßnahmen vor.

Nach wochenlangem Schlichtungsverfahren ist der Tarifkonflikt bei Oettinger wieder offen.(Bild:  GPT Image Editor / KI-generiert)
Nach wochenlangem Schlichtungsverfahren ist der Tarifkonflikt bei Oettinger wieder offen.
(Bild: GPT Image Editor / KI-generiert)

Das Schlichtungsverfahren unter Vorsitz des Juristen Dr. Benedikt Hövelmann endete ohne Einigung. Nachdem zunächst beide Seiten signalisiert hatten, einen Kompromissvorschlag anzunehmen, lehnte die NGG-Tarifkommission die am 24. November verschickte finale Schlichtungsempfehlung ab.

Diese Punkte der Schlichtungsempfehlung lehnte die NGG ab:

  • Lohnerhöhung von 2 Prozent ab Juni 2025 und weitere 0,8 Prozent ab Januar 2026 (gesamt 2,8 Prozent in zwei Schritten)
  • Möglichkeit zur einseitigen Arbeitszeitverlängerung auf bis zu 45 Wochenstunden für sechs Monate jährlich
  • Verschlechterungen bei sozialer Absicherung, Ausschlussfristen und Pausenbezahlung im Dreischichtbetrieb

Kern des Konflikts: Flexibilität vs. Arbeitnehmerschutz

Die NGG kritisiert insbesondere die Arbeitszeitregelung scharf. Derzeit liegt die tarifliche Wochenarbeitszeit in Mönchengladbach bei 37 Stunden, in Oettingen und Walldorf bei 38 Stunden. Die Schlichtungsempfehlung hätte dem Arbeitgeber ermöglicht, diese einseitig auf 45 Stunden zu erhöhen. „Die Brauerei schließt in Braunschweig einen Betrieb und setzt 150 Leute vor die Tür. In den anderen Betrieben sollen die Leute jetzt die Knochen hinhalten und länger arbeiten“, kritisierte NGG-Verhandlungsführer Tim Lubecki.

Oettinger argumentiert dagegen mit der Notwendigkeit flexibler Arbeitszeitmodelle für die saisonale Hochnachfrage in den Sommermonaten. In einem Schreiben an die Mitarbeiter warf Geschäftsführer Stefan Blaschak der NGG vor, „einem Familienunternehmen in einer krisengeschüttelten Branche aus Eigennutz wirtschaftlich dauerhaft zu schaden“.

Profitabel trotz Krise

Die Großbrauerei betreibt aktuell vier Standorte mit rund 850 Beschäftigten: Oettingen (Stammsitz), Mönchengladbach, Braunschweig und ein Logistiklager in Walldorf. Der Standort Braunschweig mit 150 Mitarbeitern wird geschlossen.

Trotz Absatzrückgängen – wie sie die gesamte Branche treffen – schrieb Oettinger in den letzten beiden Jahren schwarze Zahlen. Laut Erhebung des Hopfenhändlers BarthHaas war Oettinger 2024 die drittgrößte deutsche Brauereigruppe nach Bierausstoß (nach Radeberger und TCB, vor Paulaner). Das Familienunternehmen behauptet sich durch hohe Effizienz, Direktvertrieb mit eigenem Fuhrpark und minimale Werbekosten. Das Portfolio umfasst Biermarken im Preiseinstiegssegment sowie Limonaden, Fassbrausen und Eistees.

Wie geht es weiter?

Mit dem Ende der Schlichtung endet auch die Friedenspflicht. Die NGG plant die Wiederaufnahme von Streikmaßnahmen, signalisiert aber weiterhin Gesprächsbereitschaft. Oettinger will nach Unternehmensangaben am Schlichterspruch festhalten. Die bisherigen tarifvertraglichen Regelungen gelten für NGG-Mitglieder vorerst in Nachwirkung weiter.

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