Nahrungsmittelriese im Krisenmodus Neuer Nestlé-Chef krempelt Konzern um – 16.000 Stellen in Gefahr

Von dpa 2 min Lesedauer

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Inflation, schwache Verkäufe und teure Rückrufe setzen dem Schweizer Nahrungsmittelriesen zu. Chef Philipp Navratil vereinfacht nun die Struktur radikal und streicht fast sechs Prozent aller Arbeitsplätze weltweit.

Baustelle Nestlé: Nach einem Gewinnrückgang von 17 Prozent baut der neue Chef Philipp Navratil den Schweizer Nahrungsmittelkonzern radikal um.(Bild:  DALL-E 3 / KI-generiert)
Baustelle Nestlé: Nach einem Gewinnrückgang von 17 Prozent baut der neue Chef Philipp Navratil den Schweizer Nahrungsmittelkonzern radikal um.
(Bild: DALL-E 3 / KI-generiert)

Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestlé baut nach einem Gewinnrückgang sein Geschäft um. Künftig will sich das Unternehmen auf die vier Kernbereiche Kaffee, Tierfutter, Ernährung und Gesundheit sowie Lebensmittel und Snacks konzentrieren, wie Nestlé am Donnerstag in Vevey mitteilte. Die bisherigen Bereiche Ernährung und Gesundheit werden zu einer Einheit zusammengefasst. Damit will der neue Nestlé-Chef Philipp Navratil das Geschäft vereinfachen und Einsparungen erzielen.

Bislang ist Nestlé primär nach Regionen organisiert, zusätzlich gliedert sich der Konzern in sechs strategische Geschäftseinheiten. Daneben bestehen drei global geführte Sparten, darunter Nespresso, Health Science und das zum Verkauf stehende Wassergeschäft.

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Nestlé steht nach schwachen Geschäften unter Druck: Im vergangenen Jahr schrumpfte der Gewinn um 17 Prozent zum Vorjahr auf gut neun Milliarden Franken (rund 9,88 Mrd. Euro). Der Umsatz ging um zwei Prozent auf rund 89,5 Milliarden Franken zurück, auch wenn aus eigener Kraft Zuwächse standen.

Philipp Navratil, CEO von Nestlé: „Wir konzentrieren unser Portfolio auf vier Geschäftsbereiche mit unseren stärksten Marken, priorisierten Ressourcen und einer vereinfachten Organisationsstruktur.“(Bild:  Nestlé)
Philipp Navratil, CEO von Nestlé: „Wir konzentrieren unser Portfolio auf vier Geschäftsbereiche mit unseren stärksten Marken, priorisierten Ressourcen und einer vereinfachten Organisationsstruktur.“
(Bild: Nestlé)

Dem Konzern mit Marken wie Kitkat, Maggi und Nespresso macht die Inflation zu schaffen. Wie andere Konsumgüterhersteller hat Nestlé in den vergangenen Jahren die Preise erhöht, um gestiegene Rohstoffkosten an Kunden weiterzureichen. Doch wegen hoher Lebensmittelpreise setzen Verbraucher vermehrt auf günstige Eigenmarken oder kaufen beim Discounter. Zudem kostete ein Rückruf verunreinigter Babynahrung 2025 Nestlé rund 185 Millionen Franken.

Stellenabbau: Deutschland-Zahlen noch unklar

Navratil will zudem mehr Geld in Marketing und Innovationen stecken. Das Geld soll aus dem laufenden Sparprogramm kommen. Der Manager hatte kurz nach seinem Einstand im Oktober angekündigt, weltweit rund 16.000 Stellen binnen zwei Jahren abzubauen – fast sechs Prozent der weltweit knapp 280.000 Jobs. Wie viele Arbeitsplätze in Deutschland entfallen, wo der Umsatz 2025 stagnierte und Nestlé knapp 6.500 Menschen beschäftigt, steht noch nicht fest.

Mit dem Stellenabbau sollen bis Ende 2027 insgesamt jährliche Einsparungen von rund einer Milliarde Franken erzielt werden. 20 Prozent davon seien bereits erreicht.

Nestlé hat turbulente Zeiten hinter sich. Im September entließ der Konzern den damaligen Vorstandschef Laurent Freixe, der eine Liebesbeziehung zu einer ihm unterstellten Managerin hatte. Es war bereits der zweite Chefwechsel in einem Jahr.

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