Brauchen Energydrinks eine Altersgrenze? Foodwatch sagt ja und fordert, dass Minderjährige die Wachmacher nicht mehr kaufen dürfen. Branchenverbände wehren sich. Nun soll es die neue Regierung richten.
Foodwatch fordert eine Altersgrenze Energydrinks. Branchenverbände wehren sich.
Energydrink-Hersteller wie Red Bull, Monster und Rockstar werben systematisch bei Minderjährigen: mit Influencer-Marketing, Gaming-Kooperationen, Sportsponsoring und sogar Kinderclubs. Das zeigt ein neuer Report von Foodwatch. Die Verbraucherorganisation fordert eine gesetzliche Altersgrenze von 18 Jahren für den Verkauf der koffeinhaltigen Getränke. Dies müsse klar in einem neuen Koalitionsvertrag vereinbart werden. Bisher haben sich SPD und Union nach Medienberichten zumindest darauf verständigt, eine Altersgrenze zu prüfen.
„Energydrink-Hersteller behaupten dreist, ihr Marketing richte sich nur an Erwachsene – doch der Foodwatch-Report entlarvt das als glatte Lüge! Red Bull, Monster & Co. ködern gezielt Kinder und Jugendliche, indem sie ihre Produkte mit jungen Social-Media-Influencer:innen oder Sportsponsoring in Szene setzen“, sagte Dr. Rebekka Siegmann von Foodwatch. „Andere EU-Länder haben den Verkauf der aufputschenden Getränke an Minderjährige aufgrund schwerwiegender Gesundheitsrisiken längst gestoppt. Die neue Bundesregierung muss handeln und junge Menschen vor den gefährlichen Wachmachern schützen!“
Der Lobbyverband Energy Drink Europe behauptet: Energydrinks seien sicher und außerdem ziele das Marketing nicht auf Kinder, sondern konzentriere sich „auf die erwachsene Bevölkerung“. Der Foodwatch-Report „Erst Flügel, dann Herzrasen“ deckt dagegen auf, mit welchen Methoden Energydrink-Hersteller bereits Kinder für ihre Marken begeistern wollen:
Social Media & Influencer: TikTok-Stars und YouTuber machen in Videos ihren Millionen junger Followerinnen Energydrinks schmackhaft. Ein Beispiel ist Lewin Ray Wester, bekannt als Lewinray. Der 22-jährige Influencer und Musiker hat alleine auf TikTok 2,7 Millionen Follower. 2024 erhielt er – umjubelt von den Kindern im Publikum – den Preis als „Content Creator“ des Kinderkanals von ARD und ZDF. Im Rahmen einer Werbekooperation mit dem Enerydrinkhersteller Effect Energy postete er etwa Videos zum Energydrink-Konsum in der Schule. Ein weiteres Video zeigt ihn, wie er unbemerkt von seiner Mutter seine Tagesration von sieben leeren Dosen Effect Energy entsorgen will. Sieben Dosen enthalten 560 Milligramm Koffein – ein 50 Kilogramm schweres Kind sollte maximal 150 Milligramm am Tag zu sich nehmen. Die Message dieses Videos sei daher gefährlich, kritisierte Foodwatch.
Gaming & E-Sport: Red Bull & Co. sponsern Gaming-Events, Teams und Streamerinnen, um sich als festen Bestandteil der Computerspiel-Jugendkultur zu etablieren. Teilweise bringen Spielerinnen sogar ihre eigenen Marken auf den Markt: So wurde der Energydrink Gönrgy vom Video-Streamer Montana Black gegründet, der 2023 bereits 20 Millionen Follower in sozialen Netzwerken erreichte. Der Markenname Gönrgy wird dauerhaft in seinen Streams eingeblendet.
Sportsponsoring: Energydrink-Marken dominieren den Profi- und Jugendsport – von Fußballclubs über Eishockey bis hin zu Skirennen. Studien zeigen: Kinder bewerten Sponsoring im Sport oft positiv. Selbst minderjährige Athleten werden von den Energydrink-Herstellern als Werbefiguren eingesetzt. Monster Energy unterstützt über die „Monster Army“ beispielsweise Nachwuchstalente zwischen 13 und 21 Jahren aus Sportarten wie Motocross, BMX, Skateboarden und Snowboarden. Die prominentesten Beispiele für die Neugründung beziehungsweise Übernahme eines Vereins durch einen Energydrinkhersteller sind im deutschsprachigen Raum sicherlich die Fußballvereine RB Leipzig und der FC Red Bull Salzburg – bei beiden ziert das Red Bull Logo auch das Vereinslogo.
Kinderclubs & Merchandise: Red Bull betreibt eigene Fanclubs für Kinder, bietet mit dem Markenlogo versehene Kinder-Produkte wie Kuscheltiere oder Malbücher an und veranstaltet Freizeit-Events für junge Zielgruppen.
Gesundheitsgefahren wie erhöhter Blutdruck und Schlafstörungen
Ärzte und Verbraucherverbände warnen seit Jahren vor den gesundheitlichen Folgen der koffeinhaltigen Getränke für Kinder und Jugendliche. Bei hohem Konsum drohen Herzrhythmusstörungen, Angstzustände und Konzentrationsprobleme. Besondere Risiken bestehen, wenn die Getränke im Zusammenhang mit Sport oder Alkohol konsumiert werden. Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung des Uniklinikums München zeigte nun erstmals, dass bereits moderate Mengen den Blutdruck erhöhen und den Schlaf stören.
„Unsere ‚EDUCATE‘-Studie ist weltweit die erste wissenschaftliche Untersuchung, die sich mit den Auswirkungen des Konsums einer geringen Menge von Energydrinks auf das Herz-Kreislaufsystem von Kindern und Jugendlichen widmet. Hierbei konnte eindeutig nachgewiesen werden, dass eine einzelne Dosis von Energydrink, die am Vormittag konsumiert wurde, einen Anstieg des Blutdrucks und der Herzfrequenz bewirkt, das Auftreten von Herzrhythmusstörungen begünstigt und zu einer um etwa eine Stunde verringerten Schlafdauer führt. Da in der Regel mehrere Energydrinks getrunken werden, erscheint uns klar, dass dieser Konsum für Kinder und Jugendliche aus gesundheitlichen Gründen eingeschränkt werden muss“, sagte Prof. Dr. Nikolaus Haas, Direktor der Kinderkardiologie des Uniklinikums München.
Für die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (WAFG) ist foodwatch-Forderung nach gesetzlicher Altersgrenze unverhältnismäßig. In der stellungnehmenden Pressemitteilung heißt es: Energydrinks seien sicher und in Deutschland als Untergruppe der koffeinhaltigen Erfrischungsgetränke gesetzlich besonders reglementiert. Die WAFG kontert die Studie mit eigenen Zahlen: So sei der Beitrag von Energydrinks zur gesamten täglichen Koffeinaufnahme bei Erwachsenen und Jugendlichen ist sehr gering und bei Kindern vernachlässigbar. Ihren Zahlen zufolge tragen Energydrinks zur gesamten täglichen Koffeinaufnahme bei Kindern rund 1 % und bei Jugendlichen 4 % bei. In allen Altersgruppen machen andere Koffeinquellen, wie Kaffeegetränke, Teegetränke, koffeinhaltige Limonaden, Kakaogetränke und Schokolade, bei weitem den größten Anteil des Koffeinkonsums aus, so die WAFG.
Die Bedenken bezüglich der Gesundheitsgefahren beim Konsum von Energydrinks weist die WAFG ebenfalls zurück: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) habe aktuell zur Datenerhebung zum Energydrink-Konsum und seinen gesundheitlichen Effekten bei Jugendlichen als zentrales Ergebnis mitgeteilt, dass die bisher vorliegenden Ergebnisse der EDKAR-Studie „keine Hinweise auf besorgniserregende Auswirkungen auf das Herz“ geben.
Laut vorläufigen Zahlen einer Erhebung des Uniklinikums München an Schulen (Hand aufs Herz) beginnen Kinder bereits mit etwa neun Jahren mit dem Energydrink-Konsum, mehr als jeder vierter Minderjährige trinkt diese regelmäßig. Zehn Prozent der Jungs trinken sie gerne beim Sport. Zahlreiche europäische Länder haben längst eine Altersgrenze für den Verkauf von Energydrinks eingeführt, darunter Litauen, Lettland und Polen.
Stand: 08.12.2025
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