Tarifkonflikt 48-Stunden-Streik legt Oettinger-Produktion lahm

Von dpa 2 min Lesedauer

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Die Gewerkschaft NGG hat einen zweitägigen Warnstreik bei der Oettinger Brauerei ausgerufen, um Bewegung in den festgefahrenen Tarifkonflikt zu bringen. Währenddessen prophezeit Oettinger-Chef Pleitewelle bei Brauereien.

Oettinger will Vergünstigungen streichen, die Gewerkschaft NGG will das nicht akzeptieren.(Bild:  Oettinger Brauerei)
Oettinger will Vergünstigungen streichen, die Gewerkschaft NGG will das nicht akzeptieren.
(Bild: Oettinger Brauerei)

Ein 48-stündiger Warnstreik legt die Bierproduktion der bundesweit bekannten Oettinger Brauerei vorübergehend lahm. Die Arbeitsniederlegung läuft nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten seit der Nacht zum Montag.

Ziel ist es, die Unternehmensleitung in einem seit Monaten schwelenden Tarifkonflikt zum Einlenken zu bewegen. Die Geschäftsführung bestätigte, dass die Produktion derzeit stillsteht. Nach Angaben von Vorstandschef Stefan Blaschak sind aber keine Lieferengpässe zu erwarten. „Wir haben jedoch genug Ware, um aus den Lägern zu liefern oder abholen zu lassen.“

Gewerkschaft im Clinch mit Chefetage

Oettinger Getränke beschäftigt nach Unternehmensangaben rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an vier Standorten: rund 440 am Stammsitz in Oettingen, 190 in Mönchengladbach, 130 in Braunschweig und 40 in Walldorf. Die Gewerkschaft wirft dem Unternehmen vor, in seinem Tarifangebot nur eine geringe Lohnerhöhung anzubieten und einige der im bisherigen Tarif vereinbarten Leistungen streichen zu wollen. „Die angebotene Entgelterhöhung soll über Verschlechterungen an anderer Stelle erkauft werden“, kritisierte Gewerkschaftssekretär Fouad Laghmouch.

Viele Brauereien in schwieriger Lage

Wie andere Brauereien auch leidet Oettinger unter dem sinkenden Bierkonsum in Deutschland. „Gerade in einer immer schwächer werdenden Branche ist eine Lohnerhöhung der Arbeitgeberseite ohne Leistungserhöhung auf Seiten der Arbeitnehmer für die Zukunft jedoch kein tragfähiges Modell“, sagte Geschäftsführer Blaschak. Nach Angaben des Managers sind die Arbeitsbedingungen an den einzelnen Standorten bisher unterschiedlich. So wird in Mönchengladbach eine Stunde weniger pro Woche gearbeitet als am bayerischen Stammsitz.

Dies will die Geschäftsführung nun angleichen. Bisher gab es drei Verhandlungsrunden. Wann das nächste Mal verhandelt wird, steht nach Blaschaks Worten noch nicht fest.

„Erdrutsch“ bei der Bierproduktion

Der deutschen Bierbranche steht nach Einschätzung des Oettinger-Chefs in den kommenden Jahren eine Pleitewelle bevor. „Die Brauereien werden wie Fliegen von der Wand fallen“, sagte Stefan Blaschak, der Geschäftsführer des bayerischen Getränkeherstellers, der „Augsburger Allgemeinen“ (Dienstag). „Die Welt der Brauereien bröckelt, bei den Kleinen sehen wir fast täglich Insolvenzen, es wird auch die Großen treffen.“

Ursache der Entwicklung ist nach Blaschaks Worten der stetig sinkende Bierkonsum in Deutschland. Bislang sei der Bierabsatz relativ konstant um zwei bis drei Prozent pro Jahr gesunken. „Dieses Jahr aber erleben wir einen Erdrutsch“, sagte der Oettinger-Chef. „Der Markt ist um 7 bis 7,5 Prozent eingebrochen“, sagte der Manager der Zeitung. „Die Branche verlor allein im ersten Halbjahr 2025 im Inland rund 2,6 Millionen Hektoliter, das entspricht etwa drei Millionen Dosen pro Tag.“ fügte er hinzu.

Standortschließung in Braunschweig

Nach einem alljährlichen Ranking des Hopfenhändlers BarthHaas haben fünf von sechs deutschen Großbrauereien 2024 weniger Bier produziert als im Vorjahr, bei Oettinger fiel das Minus demnach besonders groß aus. Im kommenden Jahr will das Unternehmen seine Bierproduktion in Braunschweig einstellen, einem von vier Standorten. „Die Entscheidung zu Braunschweig tut mir extrem weh, die Menschen dort haben einen hervorragenden Job gemacht“, sagte Blaschak der Zeitung. „Aber ich weiß, was kommen wird, und muss das Unternehmen langfristig ausrichten.“

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