Energieeffizienz Die Sache mit dem Energiesparen – daran hakt’s bei Unternehmen

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Eine neue Kurzstudie von PwC im Auftrag der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) zeigt, warum Unternehmen trotz hoher und volatiler Energiepreise zurückhaltend investieren. Wirtschaftliche Potenziale scheitern nicht an Technik, sondern an Strukturen, Anreizen und Unsicherheit.

Die Autoren der Studie betonen das Prinzip „Energy Efficiency First“: Unternehmen sollten ihren Energiebedarf senken, bevor sie neue Erzeugungs- oder Versorgungslösungen aufbauen.(Screenshot:  DENEFF)
Die Autoren der Studie betonen das Prinzip „Energy Efficiency First“: Unternehmen sollten ihren Energiebedarf senken, bevor sie neue Erzeugungs- oder Versorgungslösungen aufbauen.
(Screenshot: DENEFF)

Energie sparsam und effizient zu nutzen, sollte eigentlich zum wirtschaftlichen Grundverständnis industrieller Unternehmen gehören. Die technischen Möglichkeiten dafür sind vorhanden und aufgrund hoher Energiekosten wirtschaftlich sehr attraktiv. Dennoch bleiben große Potenziale ungenutzt. Warum? Nicht fehlende Lösungen bremsen, sondern falsche Anreize, politische Unsicherheit und unternehmensinterne Entscheidungslogiken, zu diesem Schluss kommen die PwC-Analysten.

Demnach scheitern selbst sehr rentable Maßnahmen häufig an kurzfristigen Investitionskriterien, unklaren Zuständigkeiten und fehlender Planungssicherheit. Das ungünstige Strom-Gas-Preisgefüge behindert die Elektrifizierung von Prozesswärme; Unsicherheiten über die künftige Energiepreisentwicklung und regulatorische Rahmenbedingungen erhöhen zudem das wahrgenommene Risiko von Investitionen in neue Technologien. Hinzu kommt ein klassisches Organisationsproblem: Oft entscheiden andere über Investitionen, als später von Einsparungen profitieren.

Wer Wettbewerbsfähigkeit und industrielle Transformation ernst nimmt, muss die Investitionslogik ändern.

Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der DENEFF

„Energie sparsamer und damit produktiver zu nutzen, rechnet sich, wird aber oft systematisch ausgebremst“, sagt Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der DENEFF. „Das ist kein Technikproblem, sondern ein Strukturproblem. Wer Wettbewerbsfähigkeit und industrielle Transformation ernst nimmt, muss die Investitionslogik ändern.“

Fünf zentrale Handlungsfelder

Die Studie identifiziert fünf zentrale Handlungsfelder, in denen besonders viele wirtschaftliche Potenziale liegen bleiben.

  • Mit industriellen Wärmepumpen Dampf machen: Industrielle Wärmepumpen können ungenutzte Abwärme auf ein für Produktionsprozesse geeignetes Temperaturniveau anheben und etwa fossile Dampferzeugung ersetzen. In der Praxis werden sie jedoch durch hohe Stromkosten und fehlende Netzanschlüsse ausgebremst.
  • Prozesswärme mit Hochtemperatur-Wärmespeichern flexibilisieren: Wärmespeicher ermöglichen es, Energie dann aufzunehmen, wenn sie günstig oder verfügbar ist, und Wärme genau dann bereitzustellen, wenn die Produktion sie braucht. Trotz dieses Vorteils kommen sie bislang kaum zum Einsatz, weil regulatorische Hürden und Preisstrukturen ihre Wirtschaftlichkeit schmälern.
  • Abwärme mehrfach nutzen – mit Wärmerückgewinnung und internen Netzen: In vielen Betrieben verpufft Abwärme ungenutzt, weil die notwendige Infrastruktur bislang nicht gefördert wird oder nur als Einzelmaßnahme betrachtet wird. Dabei könnten innerbetriebliche Wärmenetze Abwärme systematisch erschließen und langfristig erhebliche Einsparungen ermöglichen.
  • Energieverbrauch durch konsequentes Energiemanagement und Nutzerverhalten senken: Monitoring, intelligente Steuerung und geschultes Nutzerverhalten gehören zu den günstigsten und schnell wirksamen Maßnahmen. Dennoch bleiben sie oft liegen, weil Aufmerksamkeit, Zuständigkeiten und Umsetzung im Betriebsalltag fehlen. Die im Energieeffizienzgesetz geregelten Energiemanagementsysteme sind dafür die Basis.
  • Wärmeverluste durch bessere technische Isolierung vermeiden: Obwohl Dämmmaßnahmen technisch ausgereift, vergleichsweise günstig und schnell wirksam sind, gelten sie intern häufig als nachrangig oder „lästig“ – mit der Folge, dass vermeidbare Wärmeverluste bestehen bleiben.

Besonders deutlich wird das Umsetzungsdefizit bei einfachen Maßnahmen wie der Isolierung von Rohrleitungen, der Abwärmerückführung oder einem konsequenten Energiemanagement. Obwohl sie geringe Investitionen erfordern und kurze Amortisationszeiten haben, werden sie vielfach nicht umgesetzt.

Energy Efficiency First

Die Autoren betonen daher das Prinzip „Energy Efficiency First“: Unternehmen sollten ihren Energiebedarf senken, bevor sie neue Erzeugungs- oder Versorgungslösungen aufbauen. Energieeffizienz ist kein Nebenaspekt der Transformation, sondern ihre Voraussetzung. Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde senkt Kosten, reduziert Risiken und erleichtert den Umbau industrieller Prozesse. Voraussetzung dafür sind verlässliche politische Rahmenbedingungen und funktionierende Energiemanagementsysteme, die Transparenz über Verbräuche und Einsparpotenziale schaffen.

„Energieeffizienz ist der grundlegende Hebel für den wirtschaftlichen Erfolg der Transformation hin zu einer resilienten Industrie“, so Noll. Die DENEFF warnt deshalb davor, das erst vor wenigen Jahren in Kraft getretene Energieeffizienzgesetz abzuschwächen. Ein Ende letzten Jahren geleakter Entwurf sorge bereits für erhebliche Verunsicherung und weiterer Investitionszurückhaltung. „Wer etablierte Standards und Anforderungen verwässert, verzögert Investitionen – und schwächt den Standort“, mahnt Noll.

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