Konsum und Klima So sehr nagt die Ernährung am Emissionsbudget

Quelle: dpa 4 min Lesedauer

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Essen ist Lebensgrundlage, aber auch ein Wirtschaftszweig. Wie stark die Ernährung in Deutschland zum Ausstoß von Treibhausgasen beiträgt, zeigt eine Analyse von Agora Agrar.

Ernährung ist für einen beträchtlichen Teil der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Wie groß der Beitrag ist, und wie er sich reduzieren lässt, zeigt eine Analyse von Agora Agrar. (Symbolbild)(Bild:  Gemeni 3 Pro Image / KI-generiert)
Ernährung ist für einen beträchtlichen Teil der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Wie groß der Beitrag ist, und wie er sich reduzieren lässt, zeigt eine Analyse von Agora Agrar. (Symbolbild)
(Bild: Gemeni 3 Pro Image / KI-generiert)

Rund ein Viertel aller mit Konsum in Verbindung stehenden deutschen Treibhausgas-Emissionen* gehen laut einer neuen Analyse von Agora Agrar auf die Ernährung zurück. Der Konsum von Lebensmitteln in Deutschland verursacht pro Jahr etwa 235 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente entlang der Wertschöpfungskette von der landwirtschaftlichen Produktion bis zu den privaten Haushalten, heißt es in dem Bericht. Etwa 70 Prozent davon entstehen durch den Konsum tierischer Produkte.

Zum Vergleich: Die territorialen Emissionen Deutschlands (also alles, was in Deutschland selbst ausgestoßen wird) betrugen laut Umweltbundesamt für das Jahr 2024 rund 650 Millionen Tonnen.

*Konsumbezogene Emissionen sind solche, die dem Konsum von Gütern und Dienstleistungen in einem Land zugerechnet werden – unabhängig davon, wo sie global anfallen.

642 Kilogramm Nahrungsmittel pro Person und Jahr

Ein wesentlicher Bestandteil der Analyse beruht auf dem durchschnittlichen Einkauf von Lebensmitteln in Deutschland. Laut Agora Agrar kauft eine Person in Deutschland durchschnittlich 642 Kilogramm Nahrungsmittel pro Jahr ein, also etwa 1,76 Kilogramm pro Tag. Von den Einkäufen entfallen 120 Kilogramm auf Milchprodukte wie Frischmilch, Joghurt und Käse. Tierische Produkte insgesamt machen rund ein Drittel des Einkaufs aus. Nicht alles wird auch verzehrt, vieles landet in der Mülltonne.

Ausgehend von dieser Verteilung wurde der Beitrag an Emissionen in Form von CO2-Äquivalenten berechnet. Dabei erzeugen die tierischen Produkte über zwei Drittel der Emissionen.

Der hohe Beitrag des Konsums tierischer Produkte an den Emissionen insgesamt geht laut Agora Agrar vor allem auf drei Faktoren zurück:

  • Umwandlungsverluste: Tiere brauchen auch für den eigenen Stoffwechsel Energie
  • Futtermittelproduktion: Herstellung und Nutzung von Stickstoffdünger, aber auch Landnutzungsänderungen für Ackerbau
  • Verdauung von Wiederkäuern: Dabei entsteht Methan, das eine 27-mal stärkere Klimawirkung hat als CO2.

Von den tierischen Produkten ist der Konsum von Milchprodukten mit den anteilig höchsten Treibhausgas-Emissionen verbunden. Etwa die Hälfte davon geht auf Käsekonsum zurück. Je größer die für die Käseproduktion benötigte Milchmenge ist, desto höher sind auch die Treibhausgas-Emissionen, schreibt das Team. Für ein Kilogramm Frischkäse werden etwa 4 Liter Milch benötigt, für Hartkäse etwa 13 Liter – damit haben Hartkäse wie Parmesan eine deutlich höhere Klimawirksamkeit.

Bei den pflanzlichen Lebensmitteln geht ein großer Teil der Emissionen auf Herstellung und Einsatz von Düngemitteln zurück sowie – bei Gewächshauskulturen – auf den Energieverbrauch für Heizung und Beleuchtung.

Berücksichtigt wurden zudem die Emissionen aus dem Konsum von Getränken wie Mineralwasser, Softgetränken, Bier, Tee und Kaffee. Ihre Klimawirksamkeit beträgt demnach 13,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, ist also vergleichsweise gering. Der Grund dafür ist, dass Getränke zu einem großen Teil aus Wasser bestehen, dessen Produktion kaum Treibhausgase verursacht.

Emissionen in der Landwirtschaft sinken vergleichsweise langsam

In den vergangenen Jahren sanken die Emissionen in den Sektoren Energie und Industrie deutlich schneller als in der Landwirtschaft, schreibt Agora Agrar. Setzt sich dieser Trend fort, wird der landwirtschaftliche Ausstoß bis 2045 den größten Teil der verbleibenden Emissionen ausmachen, die für das Erreichen der Klimaneutralität kompensiert werden müssen.

Die größten Potenziale zur Verringerung der Klimawirksamkeit liegen laut der Analyse in der Nutzung erneuerbarer Energien, einer stärker pflanzlich basierten Ernährung und der Wiedervernässung landwirtschaftlich genutzter Moore. Eine stärker pflanzlich geprägte Ernährung fördere zudem Gesundheit, Ernährungssicherheit und Biodiversität.

Für ihre Berechnung berücksichtigten die Verantwortlichen bei Agora Agrar die komplette Wertschöpfungskette von der Herstellung landwirtschaftlicher Betriebsmittel wie Stickstoffdünger, über die landwirtschaftliche Produktion und Weiterverarbeitung bis zum Handel und schließlich Konsum der Lebensmittel. Zudem bezog das Team Treibhausgas-Emissionen aus Landnutzungsänderungen und aus landwirtschaftlich genutzten Mooren ein.

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Moore als Schlüssel zu besserer Klimabilanz der Lebensmittelindustrie

Die Entwässerung von Mooren führt dazu, dass der im Torf gespeicherte Kohlenstoff als CO2 in die Atmosphäre entweicht. Für die Erzeugung von Nahrungsmitteln entstehen auf landwirtschaftlich genutzten Mooren jährlich etwa 27 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, heißt es im Bericht. Der überwiegende Teil dieser Moore liegt in Deutschland und wird für die Produktion tierischer Lebensmittel genutzt, meist Rinderhaltung.

Indikator soll Klima-Beitrag der Ernährung zeigen

Die Agora-Agrar-Experten schlagen einen Indikator „Klimawirksamkeit der Ernährung“ vor, der die Treibhausgas-Emissionen der Ernährung pro Person und Jahr darstellt. Über einen längeren Zeitraum erhoben, kann er den Beitrag der Ernährung zur Erreichung der Klimaziele zeigen. Zudem ermöglicht ein solcher Indikator Rückschlüsse auf die Wirksamkeit politischer Maßnahmen, die auf die Klimarelevanz der Ernährung abzielen.

Derzeit liegt der Wert bei etwa 2,8 Tonnen CO2-Äquivalenten. Mitte des Jahrhunderts könnten mit ambitionierter Politik etwa 0,7 Tonnen pro Person und Jahr erreicht werden. Als Voraussetzungen sehen die Agora-Agrar-Experten an, dass die Energieproduktion in Deutschland weitestgehend auf erneuerbare Energiequellen umgestellt ist, Menschen im Mittel nur noch halb so viele tierische Produkte konsumieren, in der Produktion treibhausgasmindernde Technologien eingesetzt werden und landwirtschaftlich genutzte Moore zum großen Teil wiedervernässt sind.

Zur Analyse von Agora Agrar

Originalpublikation: Agora Agrar: Klimawirksamkeit der Ernährung in Deutschland , 17. März 2026, Publikationsnummer 400/03-S-2026/DE

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