Energiekrise und Milchmarkt Der Milchmarkt erholt sich – doch geopolitische Spannungen treiben Molkereikosten

Von Milchindustrie-Verband 3 min Lesedauer

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Die Iran-Krise verschärft neben dem Ukraine-Krieg die Energiepreisentwicklung und belastet die energieintensive Milchproduktion erheblich. Trotz gesunkener Erzeugerpreise und hoher Milchmenge stimmen steigende Konsumzahlen und Börsennotierungen die Branche optimistisch.

Geopolitische Krisen im Iran und der Ukraine treiben die Energiekosten für Molkereien in die Höhe und werden sich in steigenden Produktpreisen niederschlagen. (Bild:  GPT Image Editor / KI-generiert)
Geopolitische Krisen im Iran und der Ukraine treiben die Energiekosten für Molkereien in die Höhe und werden sich in steigenden Produktpreisen niederschlagen.
(Bild: GPT Image Editor / KI-generiert)

Zwei globale Konfliktherde setzen die deutsche Milchwirtschaft unter Druck: Nach dem Ukraine-Krieg sorgt nun auch die Eskalation im Iran für stark volatile Energiepreise. Daher geht der Milchindustrie-Verband (MIV) davon aus, dass die sprunghaft gestiegenen Preise für Energie Verbraucher wie Wirtschaftsunternehmen in Europa direkt treffen. Für die Herstellung und Haltbarmachung von Milchprodukten gehört über die gesamte Wertschöpfungskette ein Wechsel von Erhitzen und Kühlen, und dafür wird Energie benötigt. Der Verband rechnet damit, dass sich diese Entwicklung der Energiepreise auch in steigenden Produktpreisen wiederfinden wird, je nach Produkt auch unabhängig von der Dauer der laufenden Kontrakte.

Die aus Deutschland in die arabischen Staaten exportierten Milchprodukte variieren in der Menge stark nach Sortiment; daher ist nach Verbandsangaben hier keine pauschale Bewertung zu den Auswirkungen auf die nationalen Märkte möglich. Dennoch führen die Behinderungen in den internationalen Warenströmen zu exorbitant gestiegenen Frachtraten für Seetransporte, nicht nur zu Zielländern in der Region.

Mehr Milch, volatile Preise – Branche blickt optimistisch nach vorn

Mit Blick auf den Milchmarkt in Deutschland wird durch die Erzeuger seit Herbst 2025 rund 6 Prozent mehr Milch gegenüber dem Vorjahr produziert. 2025 wurden 1,6 Prozent mehr Milch ermolken. Auch die produzierte Milchmenge in den EU-Nachbarländern und global ist weiter hoch. Gleichzeitig hat die Milch in Deutschland hohe Fett- und Eiweißgehalte, so dass die Auslastung der Molkereien auf einem für diese Jahreszeit hohen Niveau liegt.

Für das Jahr 2025 wurde mit rund 52 Eurocent netto je kg Standardmilch der zweithöchste Milcherzeugerpreis in Deutschland erzielt und bei gleichzeitig guten Rahmenbedingungen sehr gute Erträge auf den Erzeugerbetrieben ermöglicht. Dies gelang, obwohl in den letzten Monaten bereits eine teils deutliche Korrektur der Milchpreise unter 40 Cent/kg einsetzte, im Süden wesentlich langsamer als im Norden Deutschlands.

Das niedrigere Preisniveau hat den Konsum von Milch und Milchprodukten stimuliert und die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Handel erhöht. Die Preisentwicklungen bei Notierungen und Börsen deuten für wesentliche Marktsegmente wie Magermilchpulver und Butter eine Erholung an und schüren die positiven Erwartungen für die kommenden Monate. “Wir vertrauen auf den Markt, die Gesetze von Angebot und Nachfrage wirken und aus Sicht des MIV ist es daher nicht zielführend, seitens der EU durch die Anwendung einer Entschädigung für Lieferverzicht nach Art. 219 GMO hier einzugreifen“, kommentierte Detlef Latka, Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes (MIV) die Entwicklung auf dem 16. Berliner Milchforum.

Verbraucherpräferenzen und Konsumzahlen 2025

Einen Lichtblick geben die Zahlen der privaten Nachfrage für Milchprodukte. So ist der Absatz im deutschen Lebensmitteleinzelhandel über alle Kategorien hinweg gestiegen. Selbst Trinkmilch (+0,5 Prozent) konnte sein Vorjahresergebnis halten, getragen durch einen starken Zuwachs bei der Biomilch (+5,1 Prozent). Der Butterabsatz steigerte sich in den letzten Monaten 2025 auf fast +9 Prozent auf Monatsbasis, angeheizt durch immer neue Niedrigpreise im Handelsmarkenbereich. In Summe steht auch hier ein Plus von 2,1 Prozent. Ein konstant hohes Zuwachsniveau konnte die Kategorie Quark erzielen mit einem Jahresergebnis von +7,4 Prozent. Die für den Gesamtmarkt wichtigste Kategorie Käse konnte mit +2,5 Prozent wieder zulegen, rund 1,15 Mio. Tonnen Käse wurden in Richtung Verbraucher abgesetzt.

Liebling der Verbraucher: 46 Prozent der Befragten wollen auf keinen Fall auf Käse verzichten.(Bild:  ZMB)
Liebling der Verbraucher: 46 Prozent der Befragten wollen auf keinen Fall auf Käse verzichten.
(Bild: ZMB)

Die hohe Affinität der Verbraucher zu Käse zeigt sich auch bei einer durch die ZMB Zentrale Milchmarkt Berichterstattung und Kantar durchgeführten Umfrage. 46 Prozent der Verbraucher nannten Käse auf die Frage, auf welche Milchprodukte sie auf keinen Fall verzichten wollen. Dem Käse folgten mit einigem Abstand Joghurt und Trinkmilch. Der Anteil der Verbraucher, die auf Milchprodukte verzichten, lag bei 4 Prozent.

Ein mengenmäßiges Plus konnten im Jahr 2025 auch die alternativen Drinks (+6,8 Prozent) und Joghurt (+5,5 Prozent) erzielen. Allerdings ein Plus auf einem deutlich niedrigeren Niveau als in der Vergangenheit. Käsealternativen haben hingegen 6 Prozent verloren; insgesamt wurden 2025 über den Lebensmittelhandel rund 4.500 Tonnen abgesetzt.

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