Glukosespiegel, Hungergefühl und Stimmung Forschung wird „hangry“: Wie Hunger die Laune trübt

Quelle: Pressemitteilung Universität Bonn 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Wenn der Magen grummelt, wird so mancher unausstehlich. Ob die schlechte Stimmung durch den Energiemangel an sich kommt, oder erst durch das bewusst wahrgenommene Hungergefühl, hat nun eine neue Studie untersucht.

Aus hungrig wird wütend – oder „hangry“, wie es im Englischen heißt. Forscher haben nun gezeigt, dass Hunger erst dann die Stimmung verschlechtert, wenn er bewusst wahrgenommen wird. (Symbolbild)(Bild: ©  Daniel Jędzura - stock.adobe.com)
Aus hungrig wird wütend – oder „hangry“, wie es im Englischen heißt. Forscher haben nun gezeigt, dass Hunger erst dann die Stimmung verschlechtert, wenn er bewusst wahrgenommen wird. (Symbolbild)
(Bild: © Daniel Jędzura - stock.adobe.com)

Wenn wir hungrig sind, sinkt oft die Laune – ein Phänomen, das umgangssprachlich als „hangry“ bekannt ist. Eine neue Studie des Universitätsklinikums Bonn (UKB), der Universität Bonn und des Universitätsklinikums Tübingen zeigt nun, dass dieser Zusammenhang nicht durch unbewusste Stoffwechselprozesse entsteht. Entscheidend ist vielmehr, dass der Energiemangel bewusst als Hunger wahrgenommen wird – erst dieses bewusste Hungergefühl führt zu schlechterer Stimmung.

In der Studie untersuchten die Forschenden bei 90 gesunden Erwachsenen über vier Wochen hinweg, wie sich Glukosespiegel, Hungergefühl und Stimmung gegenseitig beeinflussen. Die Teilnehmenden trugen dafür kontinuierliche Glukosesensoren (Continuous Glucose Monitoring, CGM), wie sie auch in der Diabetesversorgung eingesetzt werden, und beantworteten über eine Smartphone-App regelmäßig Fragen zu ihrem momentanen Hunger, ihrer Sättigung und Stimmung (Ecological Momentary Assessment, EMA).

„Wenn der Glukosewert sinkt, verschlechtert sich auch die Stimmung“, sagt Erstautorin Dr. Kristin Kaduk, Postdoktorandin an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen. Aber dieser Effekt entstehe nur, weil die Menschen sich dann auch hungriger fühlen. „Das heißt: Nicht der Glukosewert selbst hebt oder senkt die Stimmung – sondern wie stark wir diesen Energiemangel bewusst wahrnehmen“, verdeutlicht die Forscherin.

Bewusste Körperwahrnehmung als Stimmungs-Hebel

Die Studie liefert neue Evidenz für die Bedeutung der so genannten Interozeption – also der bewussten Wahrnehmung innerer Körperzustände – bei der Regulation von Emotionen. Personen, die Veränderungen ihres Glukosespiegels besonders genau wahrnahmen, zeigten zudem weniger Stimmungsschwankungen.

Über einen Glukosesensor am Oberarm erhoben die Forschenden kontinuierlich Daten zum Glukoseverlauf – die Basis, um Zusammenhänge zwischen Blutzucker, Hunger und Stimmung im Alltag sichtbar zu machen.(Bild:  Universitätsklinikum Bonn (UKB) / A. Winkler)
Über einen Glukosesensor am Oberarm erhoben die Forschenden kontinuierlich Daten zum Glukoseverlauf – die Basis, um Zusammenhänge zwischen Blutzucker, Hunger und Stimmung im Alltag sichtbar zu machen.
(Bild: Universitätsklinikum Bonn (UKB) / A. Winkler)

„Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass das bewusste Spüren des eigenen Körpers eine Art Puffer für die Stimmung sein kann“, ergänzt Korrespondenzautor Prof. Nils Kroemer, der in Tübingen in der Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums im Bereich Translationale Psychiatrie sowie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKB tätig ist und zudem als Professor für Medizinische Psychologie an der Universität Bonn forscht. „Ein gutes Gespür für körpereigene Signale scheint dabei zu helfen, emotionale Stabilität zu bewahren – selbst wenn der Energiehaushalt schwankt.“ Die Forschenden sehen darin auch eine wichtige Grundlage für künftige Untersuchungen bei Patienten mit Stoffwechsel- oder psychischen Störungen.

Ansatz für neue Therapien

„Viele Erkrankungen wie Depression oder Adipositas gehen mit veränderten Stoffwechselprozessen einher“, sagt Kroemer. „Ein besseres Verständnis dafür, wie Körperwahrnehmung und Stimmung zusammenhängen, kann langfristig helfen, Therapieansätze zu verbessern – etwa durch gezieltes Training der Interozeption oder nicht-invasive Stimulation des Vagusnervs, der die Organe mit dem Gehirn verbindet und die Interozeption beeinflusst.“

Die Ergebnisse unterstreichen die enge Verbindung zwischen metabolischer und psychischer Gesundheit – und zeigen, dass die bewusste Wahrnehmung des eigenen Körpers ein zentraler Mechanismus ist, über den Stoffwechselprozesse auf die Stimmung wirken.

Originalpublikation: Kristin Kaduk, et al.: Glucose levels are associated with mood, but the association is mediated by ratings of metabolic state, eBioMedicine, December 08, 2025; DOI: 10.1016/j.ebiom.2025.106035

(ID:50655446)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung