Freihandelsabkommen mit Südamerika EU-Mercosur-Abkommen: Fünf Chancen für deutsche Lebensmittelhersteller

Von GTAI 2 min Lesedauer

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Ab Mai 2026 fallen hohe Zölle auf deutsche Lebensmittel in Südamerika schrittweise weg – eine historische Chance für den Export. Ein GTAI-Bericht zeigt, wo die größten Potenziale für Bier, Schokolade, Wein und regionale Spezialitäten liegen.

Das Freihandelsabkommen zwischen EU und Mercosur schafft ab Mai 2026 neue Exportchancen. Deutsche Hersteller können in einem Markt mit 715 Millionen Einwohnern gegen die wachsende chinesische Konkurrenz bestehen.(Bild:  Gemini 3.1 Flash Image / KI-generiert)
Das Freihandelsabkommen zwischen EU und Mercosur schafft ab Mai 2026 neue Exportchancen. Deutsche Hersteller können in einem Markt mit 715 Millionen Einwohnern gegen die wachsende chinesische Konkurrenz bestehen.
(Bild: Gemini 3.1 Flash Image / KI-generiert)

Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen steht das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen kurz vor der Umsetzung. Am 1. Mai 2026 tritt der Handelsteil vorläufig in Kraft und leitet den schrittweisen Zollabbau mit den vier Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay ein. Damit entsteht eine der größten Freihandelszonen der Welt mit über 715 Millionen Einwohnern und einem Viertel der globalen Wirtschaftsleistung. Die Zustimmung des EU-Parlaments steht noch aus, doch der Druck durch Chinas wachsende Konkurrenz, die protektionistische US-Handelspolitik und Europas schwindender globaler Einfluss haben den Abschluss beschleunigt. Für die deutsche Wirtschaft, die in Südamerika seit Jahren Marktanteile verliert, bietet das Abkommen eine strategische Chance: Einer DIHK-Erhebung zufolge erwartet jedes dritte Unternehmen positive Auswirkungen, etwa ein Viertel plant den Ausbau oder die Neuaufnahme von Geschäftsaktivitäten in der Region.

Ein aktueller Bericht der Germany Trade and Invest (GTAI) zeigt, dass deutsche Lebensmittel und Getränke durch das Freihandelsabkommen einen deutlich verbesserten Zugang zu den Märkten der Mercosur-Staaten erhalten. Hier die fünf wichtigsten Erkenntnisse für deutsche Lebensmittel- und Getränkehersteller:

  • 1. Deutlicher Zollabbau als Wettbewerbsvorteil: Die hohen Mercosur-Zölle auf EU-Produkte werden für die meisten Agrarprodukte innerhalb von vier Jahren auf Null gesenkt. Bisher zahlen deutsche Hersteller erhebliche Einfuhrzölle: 27 Prozent auf Wein, 20-35 Prozent auf Schaumwein und Spirituosen, 20 Prozent auf Schokolade, 18 Prozent auf Gebäck sowie bis zu 55 Prozent auf Konserven. Diese Kosteneinsparungen steigern die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte gegenüber Konkurrenten ohne vergleichbare Handelserleichterungen erheblich.
  • 2. Premium-Segment mit großem Potenzial: Deutschland exportierte 2023 Nahrungsmittel und Getränke im Wert von 238 Millionen US-Dollar in die Mercosur-Staaten, wobei 79 Prozent auf Brasilien entfielen. Deutsches Bier, Schokolade und Gebäck werden in Haushalten der mittleren und oberen Einkommensklasse besonders geschätzt. Nahezu die Hälfte des nach Brasilien importierten Biers stammt bereits aus Deutschland. Das BMEL erwartet, dass insbesondere Hersteller von Milchprodukten, Säuglingsnahrung, Süßwaren und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln wie Bioprodukten und Nischenprodukten als Luxusartikel gute Absatzchancen haben.
  • 3. Schutz regionaler Spezialitäten: Das Abkommen schützt 357 geografische Herkunftsbezeichnungen aus der EU, darunter 28 traditionelle deutsche Produkte wie „Dresdner Christstollen“, „Lübecker Marzipan“ und „Schwarzwälder Schinken“ sowie Weine aus traditionellen Anbaugebieten. Diese Produkte sind damit besser vor Nachahmung geschützt und können mit einem Premiumpreis vermarktet werden – ein entscheidender Vorteil für Hersteller regionaler Spezialitäten.
  • 4. Abbau nicht-tarifärer Handelshemmnisse: Laut DIHK-Umfrage sehen Unternehmen die größten Vorteile nicht nur in Kosteneinsparungen, sondern in der Minderung technischer Handelshemmnisse. Das Abkommen sieht regelmäßige Dialogformate und technischen Austausch vor. Zusätzlich erhalten deutsche Firmen freien Zugang zu öffentlichen Aufträgen. Besonders der industrielle Mittelstand profitiert: Ein eigenes KMU-Kapitel verpflichtet die Mercosur-Staaten, Informationen zum Markteintritt bereitzustellen und KMU-Koordinatoren einzusetzen – relevant für rund 9.000 deutsche KMU, die bereits heute in den Mercosur exportieren.
  • 5. Sensible Bereiche bleiben geschützt: Bei besonders sensiblen Produkten wurden längere Übergangsfristen und feste Zollkontingente vereinbart: Käse (28 Prozent Zoll, Abbau für 30.000 Tonnen), Milchpulver (28 Prozent, 10.000 Tonnen) und Babynahrung (18 Prozent, 5.000 Tonnen). Für europäische Produzenten sensible Bereiche wie Rindfleisch, Geflügel, Zucker und Ethanol bleiben durch Quoten geschützt. Eine bilaterale Schutzklausel greift, falls hohe Importe europäische Produzenten ernsthaft gefährden.

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