Sinkende Nachfrage Deutsche Braubranche rutscht in Krise

Von Manja Wühr 2 min Lesedauer

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Knappe Geldbeutel drosseln den Bierdurst – selbst bei schönstem Wetter. Die schwache Nachfrage und andere Herausforderungen stürzen die deutsche Braubranche in eine lang nicht mehr gesehene Krise.

Deutsche Brauer müssen bei Bier einen Absatzeinbruch von 6,8 Prozent in den ersten fünf Monaten hinnehmen.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Deutsche Brauer müssen bei Bier einen Absatzeinbruch von 6,8 Prozent in den ersten fünf Monaten hinnehmen.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Die deutsche Bierbranche erlebt derzeit ihre schwerste Krise seit Jahrzehnten. Der Absatzrückgang von 6,8 Prozent bei alkoholhaltigem Bier in den ersten fünf Monaten 2025 hat nach Ansicht der Brauerei Veltins historische Dimension. „Der Biermarkt schwächelt aktuell in einer Größenordnung, wie wir sie so seit der Wiedervereinigung nicht erlebt haben“, erklärte Rainer Emig, Geschäftsführer Vertrieb bei Veltins.

Der branchenweite Verlust von rund 2,3 Millionen Hektoliter von Januar bis Mai fällt etwa doppelt so hoch aus wie der übliche Jahresrückgang im schrumpfenden Markt. Allein in Nordrhein-Westfalen verlor der Markt mehr als 400.000 Hektoliter. Besonders bemerkenswert: Selbst im Pandemiejahr 2021 mit Corona-Lockdown wurde in diesem Zeitraum mehr Bier verkauft. Die Branche wird den unerwartet hohen Rückschlag im weiteren Jahresverlauf 2025 kaum aufholen können.

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Warum die Deutschen weniger Bier trinken

  • Zurückhaltung der Konsumenten trotz gutem Bierwetter
  • Verbraucher verzichten auf das "zweite oder dritte Bier"
  • Schlechte Verbraucherstimmung und Kostendruck
  • Hohe Personalkosten belasten die Brauereien

Paradoxerweise hätte das Wetter im ersten Halbjahr 2025 den Bierherstellern und der Gastronomie eigentlich helfen müssen, wie Veltins-Brauereichef Volker Kuhl betonte: „Hat es aber nicht. Die Menschen haben weiter an ihrem Portemonnaie festgehalten.“ Laut Veltins geht es häufig um das zweite oder dritte Bier, das derzeit nicht getrunken wird. Der Deutsche Brauer-Bund nennt den Jahresverlauf enttäuschend, da die schlechte Verbraucherstimmung voll auf das Geschäft der nahezu 1.500 deutschen Brauereien durchschlägt.

Alkoholfreie Biere als Hoffnungsträger

  • Fokus auf alkoholfreie Biere (Pils +9 Prozent, Radler +15 Prozent)
  • Alkoholfreie Produkte können jedoch nur ein Drittel der Verluste ausgleichen
  • Veltins als Beispiel: trotz Gesamtplus von 2,3 Prozent sank der Fassbierabsatz um 5 Prozent
  • Neue Produkte als Wachstumsträger

Viele Brauereien versuchen mit alkoholfreien Produkten Boden gutzumachen, um die sich ein besonders harter Wettbewerb entwickelt hat. Brauereichef Kuhl dämpft jedoch die Erwartungen: „Alkoholfreie Biere sind aus unserer Sicht allenfalls ein Pflaster, das die Schmerzen lindert.“ Sie seien kein Retter in der Krise. In Supermärkten und Getränkemärkten können alkoholfreie Biere nur etwa ein Drittel der Rückgänge bei den alkoholhaltigen Bieren ausgleichen.

Düstere Prognosen bis 2026: Konsolidierung und Schließungen

  • Erholung erst 2026 erwartet
  • Brauereischließungen und Übernahmen werden zunehmen
  • Überkapazitäten belasten die Preise
  • Gastronomie kämpft ums Überleben

Die Prognose ist düster: Es wird voraussichtlich bis in das Jahr 2026 dauern, bis die Branche wieder vom Konsumklima profitiert. Kuhl sieht einen kritischen Punkt erreicht, „wo wir sehen werden, dass es Brauereien gibt, die aufgeben oder die verkaufen“. Nicht jede Brauerei werde es schaffen, so wie bisher weitermachen zu können. Niklas Other, Herausgeber des Getränkemarktfachmagazins „Inside“, bestätigt: „Die Überkapazitäten nehmen von Jahr zu Jahr zu.“ Die Handelskonzerne hätten angesichts der Überkapazitäten leichtes Spiel, Bier günstig zu kaufen.

Markttrends: Worauf sich Brauereien einstellen müssen

  • Dosen werden beliebter (über 10 Prozent Marktanteil)
  • Mehrwegglasflaschen dominieren weiterhin mit 50 Prozent
  • Harter Preiskampf im Handel

Besonders besorgniserregend ist die Situation der Gastronomie. Wie Hauptgeschäftsführer Holger Eichele betont: „Viele Betriebe kämpfen ums Überleben.“ Die Branche fordert daher politische Entlastungen, insbesondere die vereinbarten 7 Prozent Mehrwertsteuer auf Essen, um die Gastronomie zu stabilisieren – wovon auch Brauer und weitere Lieferanten profitieren würden.

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