BPA-frei BPA-Verbot trifft auf Weihnachtsgeschäft

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Die Nachfrage nach Weihnachtspralinen, Schokoladennikoläusen und -tafeln ist im Moment auf dem Höhepunkt. Doch im Hintergrund tickt die regulatorische Uhr: Mit Inkrafttreten der Verordnung (EU) 2024/3190 im Januar 2025 wird Bisphenol A (BPA) aus sämtlichen Lebensmittelkontaktmaterialien verbannt.

Besonders herausfordernd ist der Umstieg dort, wo BPA-basierte Werkstoffe über Jahrzehnte hinweg integraler Bestandteil stabiler Serienprozesse waren, wie beispielsweise Formen aus Polycarbonat (PC), die als Industriestandard in der Schokoladen- und Süßwarenherstellung gelten.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Besonders herausfordernd ist der Umstieg dort, wo BPA-basierte Werkstoffe über Jahrzehnte hinweg integraler Bestandteil stabiler Serienprozesse waren, wie beispielsweise Formen aus Polycarbonat (PC), die als Industriestandard in der Schokoladen- und Süßwarenherstellung gelten.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Während in der Lebensmittelindustrie saisonale Produktionsspitzen erreicht werden und die Nachfrage nach Weihnachtspralinen, Schokoladennikoläusen und -tafeln auf dem Höhepunkt ist, tickt im Hintergrund bereits die regulatorische Uhr: Mit Inkrafttreten der Verordnung (EU) 2024/3190 im Januar 2025 wird Bisphenol A (BPA) aus sämtlichen Lebensmittelkontaktmaterialien verbannt. Für bestimmte Anwendungen – darunter auch Schokoladenformen – gelten Übergangsfristen von bis zu 36 Monaten. Diese Frist wirkt auf den ersten Blick komfortabel, relativiert sich jedoch schnell, sobald Materialprüfungen, Prozessanpassungen und regulatorische Validierungen berücksichtigt werden. In der Praxis bleibt somit wenig Zeit für einen geordneten Übergang.

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Besonders herausfordernd ist der Umstieg dort, wo BPA-basierte Werkstoffe über Jahrzehnte hinweg integraler Bestandteil stabiler Serienprozesse waren, wie beispielsweise Formen aus Polycarbonat (PC), die als Industriestandard in der Schokoladen- und Süßwarenherstellung gelten. Ihre mechanische Stabilität, Maßhaltigkeit und Oberflächenqualität haben PC zu einem nahezu idealen Werkstoff für hohe Taktzahlen und reproduzierbare Produktqualität gemacht. Genau dieser etablierte Status erschwert nun den Umstieg: Das BPA-Verbot betrifft nicht nur das Material, sondern wirkt sich damit auch auf das gesamte, bislang bewährte Produktionsökosystem aus.

Systemwechsel statt einfacher Materialaustausch

Der regulatorisch erzwungene Werkstoffwechsel ist kein isolierter Materialentscheid, sondern greift tief in etablierte Prozesslogiken ein. Alternative Kunststoffe unterscheiden sich teils erheblich in ihren thermischen, rheologischen und tribologischen Eigenschaften. Sie reagieren sensibler auf Temperaturfenster, Fettanteile in der Schokoladenmasse, mechanische Belastungen sowie auf Reinigungs- und Waschprozesse. Diese Unterschiede wirken sich unmittelbar auf Füllverhalten, Erstarrung, Entformung und letztlich auf die optische und sensorische Qualität der Produkte aus.

Das BPA-Verbot hat damit Auswirkungen für eine umfassende Neubewertung von Prozessketten – von der Materialaufbereitung über die Werkzeugauslegung bis hin zur Serienfreigabe. Anwendungen, die über Jahre hinweg stabil liefen, müssen neu getestet, parametrisiert und validiert werden. Je stärker ein Ersatzmaterial von den bekannten PC-Eigenschaften abweicht, desto höher wird der Aufwand für Prozessstabilisierung und Qualitätssicherung.

Was in der Schokoladenherstellung besonders sichtbar wird, ist kein branchenspezifisches Phänomen. Die Verordnung (EU) 2024/3190 betrifft nahezu alle Bereiche der Lebensmittelindustrie – von Verpackungen und Beschichtungen über wiederverwendbare Produktionsausrüstung bis hin zu Klebstoffen, Druckfarben und technischen Kunststoffen.

Datenbasierte Prozesse werden zum Wettbewerbsfaktor

Je vielfältiger die betroffenen Anwendungen sind und je größer der Zeitdruck wird, desto weniger reicht Erfahrungswissen allein aus. Datengetriebene Einrichtungskonzepte, digitale Prozessmodelle und KI-gestützte Optimierungen werden zum verbindenden Element, um unterschiedliche Materialien, Geometrien und Prozessanforderungen unter regulatorischem Druck stabil zu beherrschen – unabhängig davon, ob es um Schokolade, Getränke, Konserven oder wiederverwendbare Produktionssysteme geht. Nur wer in der Lage ist, neue Werkstoffe schnell, reproduzierbar und regulatorisch belastbar in die Serienproduktion zu überführen, kann Risiken begrenzen und Lieferfähigkeit sichern. Dabei entscheidet nicht das Material allein über den Erfolg, sondern die Fähigkeit der Unternehmen, Produktionsparameter systematisch zu analysieren, Wechselwirkungen zu verstehen und Prozesse gezielt neu und effizient einzustellen. Die enge Verzahnung von Technik, Qualitätssicherung und Dokumentation wird damit zum Schlüsselfaktor.

Was das BPA-Verbot langfristig bedeutet

Es entsteht ein neuer Markt für BPA-freie Spezialmaterialien und damit auch eine Dynamik, die Unternehmen zwingt, ihre Werkstoffstrategie zu überdenken. Für viele Verarbeiter ist dies ein Balanceakt zwischen regulatorischer Compliance, wirtschaftlicher Machbarkeit und technischer Stabilität. Die kommenden Jahre werden von erhöhten Umstellungskosten geprägt sein. Zugleich eröffnen sie Raum für technologische Weiterentwicklung. Prozesse werden transparenter, Materialverhalten wird differenzierter bewertet und regulatorische Anforderungen werden enger mit dem Qualitätsmanagement verzahnt. Innovationen entstehen nicht nur auf Materialebene, sondern auch in der digitalen Prozessführung und den KI-gestützten Prozessoptimierungen.

Eines ist klar: Die Übergangsfristen bieten Zeit, aber keinen Aufschub. Unternehmen, die frühzeitig handeln, werden den Wandel kontrolliert gestalten können. Wer den Materialwechsel hingegen als reine Formalie betrachtet, riskiert eine Umstellung unter hohem Zeit- und Kostendruck. Spätestens wenn die ersten Serien mit BPA-freien Materialien in den nächsten Weihnachtssaisons anlaufen, wird sich zeigen, wer die regulatorische Zäsur strategisch genutzt hat und wer von ihr überrascht wurde.

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