Biologische SchädlingsbekämpfungKartoffeln vor Fadenwürmern schützen – ohne Pestizide
Quelle: Pressemitteilung
Hochschule Bielefeld
3 min Lesedauer
Weniger Pestizide für mehr Kartoffeln. An der Hochschule Bielefeld entwickelt eine Forscherin neue Strategien zur biologischen Schädlingsbekämpfung. Dabei setzt sie auf einen Pilz, um Fadenwürmer von den Wurzeln der Kartoffelpflanzen zu vertreiben.
Seit 2021 forscht Jana Könker im Projekt Fork an der Hochschule Bielefeld, unter anderem im Labor für Biochemie und Mikrobiologie.
(Bild: Patrick Pollmeier/HSBI)
Als Pommes, Püree, gekocht oder gebraten – die Kartoffel ist ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen Ernährung. Leider befallen auch Nematoden (Fadenwürmer) die Kartoffelpflanze, insbesondere deren Wurzeln. „Die Fadenwürmer nisten sich in den Wurzeln der Kartoffelpflanze ein und saugen die Zellen aus. Das kann zu massiven Pflanzenschäden und erheblichen Ernteverlusten führen“, erklärt Jana Könker. Im Rahmen ihrer Promotion hat sie sich mit einer biologischen Lösung befasst, bei der ein Pilz und eine Pflanze eine zentrale Rolle spielen.
Seit 2019 forscht Könker am Institut für Angewandte Materialforschung (BifAM) der Hochschule Bielefeld (HSBI). Ihr Projekt „Fork“ („Entwicklung von innovativen Formulierungsverfahren mit Nutzpilzen als neuartige Pflanzenstärkungsmittel für die Kartoffelfruchtfolge“) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. „Es geht um Verfahren zur biologischen Pflanzenstärkung und Schädlingsbekämpfung, letztlich um eine gesunde, widerstandsfähige und ertragreiche Kartoffel“, erläutert Projektleiter Professor Dr. Anant Patel, Leiter der Arbeitsgruppe „Fermentation and Formulation of Biologicals and Chemicals“ an der HSBI und Vizepräsident für Forschung und Entwicklung.
Ein Pilz als natürlicher Feind der Kartoffelschädlinge
Könker konzentriert sich in ihrer Dissertation auf die Bekämpfung von Nematoden. „Nematoden sind spannende Organismen mit vielfältigen Lebens- und Anpassungsstrategien“, sagt die 30-Jährige, die bereits in ihrer Masterarbeit Nematoden in Süßgewässern untersucht hat. Nun arbeitet sie an landwirtschaftlichen Anwendungen und betont: „Gegen Nematoden im Boden gibt es aktuell nur wenige Möglichkeiten.“ Chemische Bekämpfungsmittel sind im Freiland in Deutschland verboten, da sie erhebliche Umweltschäden verursachen. Alternativen wie der Anbau resistenter Pflanzen oder die Schwarzbrache, bei der Felder zeitweise unbewirtschaftet bleiben, sind aufwendig und wirtschaftlich nachteilig.
In ihrer Forschung hat Könker Pochonia chlamydosporia als natürlichen Feind der Nematoden identifiziert. „Dieser Bodenpilz ernährt sich mit Vorliebe von den Fadenwürmern“, erklärt sie. Die Herausforderung besteht darin, den Pilz effektiv in das landwirtschaftliche System zu integrieren. „Wir arbeiten hauptsächlich an der Formulierung, also daran, das Prinzip in eine technisch anwendbare Form zu bringen“, ergänzt Patel. Verschiedene Ansätze wurden geprüft, beispielsweise das Ausbringen des Pilzes in Nährlösungen. „Dazu braucht es einen Tankwagen, der zunächst befüllt werden müsste, und zahlreiche Extrafahrten auf dem Acker – wenig praktikabel in der ohnehin schon zeitintensiven Landwirtschaft.“
Zwischenfruchtsaaten als Träger für den Pilz
Könker hat schließlich ein besseres Vehikel für den Pilz gefunden: Die Phacelia, auch Büschelschön oder Bienenfreund genannt. „Sie kann in beliebige Fruchtfolgen eingebracht werden, ist weniger anfällig für gängige Pflanzenkrankheiten, verträgt sich mit dem Pilz und wird von den Nematoden nicht allzu sehr gemocht“, zählt die Forscherin die Vorteile auf. Zudem ist sie eine beliebte Zwischenfrucht, die zur Gründünung dient und bereits routinemäßig ausgesät wird.
Die Idee der Forscherin sieht nun so aus: Der Pilz wird mit dem Phacelia-Saatgut verbunden und in einem Arbeitsgang aufs Feld gebracht. Für die Nematoden bedeutet das eine Art Doppelschlag: „Sie erhalten kaum Nahrung, da sie Phacelia nicht mögen, und noch dazu bekommen sie es mit einem Fressfeind zu tun“, erklärt Könker. Nach der Aussaat der Phacelia profitieren Kartoffeln oder andere Gemüsesorten von der reduzierten Schädlingsdichte.
Im Labor wurden die Wachstumsbedingungen des Pilzes untersucht, darunter Temperatur, pH-Wert und Nährstoffbedarf. Gemeinsam mit Partnern aus der Agrarwirtschaft entwickelte Könker ein biokompatibles Verfahren, um den Pilz erfolgreich mit dem Saatgut zu verbinden.
Erste Tests im Gewächshaus
Im Freilandversuch stellte sich die Umsetzung als komplex heraus. „Niemand möchte auf seinem Feld zusätzliche Nematoden haben“, sagt Könker. Deshalb wurden kontrollierte Versuche in Töpfen durchgeführt, bei denen die Erde gezielt mit Nematoden kontaminiert wurde. Die ersten Versuche waren aufgrund von Witterungsbedingungen nicht erfolgreich. Dennoch zeigten Gewächshausversuche, dass das Prinzip funktioniert.
Zusätzlich analysierte Könker mittels RNA-Sequenzierung die Interaktionen zwischen Pilz, Nematoden und Phacelia. „Das ist ein wichtiger Schritt in der Forschung und Anwendung biologischer Schädlingsbekämpfung sowie zur Reduzierung des Pestizideinsatzes“, betont Projektleiter Patel. Könker ergänzt: „Ich finde es wichtig, die ökologischen Mechanismen zu nutzen, um die Versorgung der Menschen zu gewährleisten, ohne die Umwelt stärker zu belasten als unbedingt notwendig.“
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.