Landeslabor Berlin zeigt Lebensmittelmängel Wo die Zutatenliste lügt: falsche Versprechen und untergemogeltes Viagra

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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In manchen Lebensmittelprodukten steckt mehr drin, als draufsteht – mitunter sogar ein verschreibungspflichtiges Potenzmittel. Irreführende Deklarationen und weitere Mängel hat das Landeslabor Berlin in seinem Jahresbericht zusammengefasst. Besonders häufig wurden Nahrungsergänzungsmittel beanstandet.

Mehr als eine halbe Million Lebensmittelproben haben die amtlichen Lebensmittelüberwachungen in Berlin und Brandenburg 2024 geprüft. Einige Highlights der Ergebnisse finden Sie hier im Beitrag. (Symbolbild)(Bild: ©  Microgen - stock.adobe.com)
Mehr als eine halbe Million Lebensmittelproben haben die amtlichen Lebensmittelüberwachungen in Berlin und Brandenburg 2024 geprüft. Einige Highlights der Ergebnisse finden Sie hier im Beitrag. (Symbolbild)
(Bild: © Microgen - stock.adobe.com)

Im vergangenen Jahr hat das Landeslabor Berlin-Brandenburg in rund jeder achten Lebensmittelprobe (rund 12,4 Prozent) rechtlich relevante Mängel nachgewiesen. Insgesamt wurden für die beiden Bundesländer rund 27.570 Lebensmittelproben untersucht, einschließlich Wein und Weinerzeugnissen, wie es im Jahresbericht für das Jahr 2024 heißt. Die gute Nachricht: Das Urteil „gesundheitsschädlich“ fiel nur in 0,2 Prozent der untersuchten Proben; knapp ein Prozent ist laut den Ergebnissen „als nicht zum Verzehr geeignet“.

Der größte Anteil der Beanstandungen geht auf Mängel oder Verstöße bei der Kennzeichnung und Aufmachung zurück, wie Landeslabordirektor Mike Neumann bei der Vorstellung der Ergebnisse erklärte. Es sei allerdings wichtig zu beachten, dass die Proben nicht repräsentativ für die Qualität aller Lebensmittel in Berlin und Brandenburg stehen. Denn Lebensmittel mit einem höheren Risiko würden häufiger beprobt als andere. Es ist daher davon auszugehen, dass die reale Quote an Mängeln geringer ist als die in der Stichprobe ermittelte.

Nahrungsergänzungsmittel besonders häufig mangelhaft

Innerhalb der untersuchten Probengesamtheit stellte das Landeslabor überdurchschnittlich viele Mängel bei Nahrungsergänzungsmitteln fest. Gut die Hälfte der 399 untersuchten Proben wurde beanstandet, wie dem Bericht zu entnehmen ist. Es bestehe aber keine Gefahr für die Lebensmittelsicherheit, wie Nils Niederland betont, Leiter des Fachbereichs Arzneimittel, Medizinprodukte und spezielle Lebensmittel. Lediglich bei einer einzigen Probe sei eine gesundheitsschädliche Wirkung festgestellt worden.

Nahrungsergänzungsmittel bedürfen als Lebensmittel, anders als Arzneimittel, keiner Zulassung.

Lebensmittelverband Deutschland

Irreführung bei Zutaten reicht bis zu Viagra im Kräutermix

Bei den Analysen des Landeslabors ging es bei den meisten Beanstandungen um Mängel bei der Kennzeichnung oder unzulässige gesundheitsbezogene Angaben. Hersteller versprächen auf der Verpackung zum Beispiel Leistungsstärke oder Vitalität, ohne zu belegen, wie genau das Produkt dabei helfen solle, erklärte Niederland.

Auch Irreführung sei ein Thema. Auf manchen Etiketten werde zum Beispiel damit geworben, dass das Produkt keine Konservierungsstoffe enthalte – dabei seien Konservierungsstoffe für derartige Nahrungsergänzungsmittel laut Gesetz ohnehin nicht erlaubt, erklärte Niederland.

Ein weiteres Problem stellen dem Experten zufolge nicht deklarierte Substanzen, also gefälschte oder gepanschte Produkte dar. „Das sind überwiegend Proben, die aus dem Internet stammen“, erläutert der Experte. Ein Beispiel: In einer zum Verzehr vorgesehenen Kräuterpaste fanden die Wissenschaftler den Wirkstoff Sildenafil, besser bekannt als Wirkstoff des Potenzmittels Viagra. Auf der Zutatenliste fand sich aber kein entsprechender Eintrag. Sildenafil zählt zu den zulassungs- und verschreibungspflichtigen Medikamenten und kann diverse Nebenwirkungen verursachen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Verdauungs- und sogar Sehstörungen. Es gehört nicht in ein als Nahrungsmittel vermarktetes Produkt, auch weil schädliche Wechselwirkungen mit anderen medizinischen Wirkstoffen auftreten könnten.

5 Proben pro 1.000 Einwohner analysiert

Das Landeslabor untersucht neben Lebensmitteln auch Arzneimittel, Tabakprodukte, Kosmetika, Gewässer, Futtermittel oder Saatgut sowie zahlreiche Proben im Zusammenhang mit Tierseuchen. Im Jahr 2024 waren es insgesamt 677.052 Proben. In der Tierseuchendiagnostik wurden vergangenes Jahr rund 579.110 Proben analysiert. Dabei ging es zum Beispiel um die Afrikanische Schweinepest, das West-Nil-Virus oder die Blauzungenkrankheit.

Pro 1.000 Einwohner würden im Jahr rund fünf Lebensmittel untersucht, erklärte Neumann. Ausgewählt würden die Produkte von den amtlichen Lebensmittelüberwachungen in Berlin und Brandenburg. Für 80 Prozent der Produkte gelte ein bereits bekanntes oder vermutetes Risiko als Auswahlkriterium. Die üblichen 20 Prozent würden anlassbezogen ausgewählt, etwa wenn es wieder mehr Ehec-Fälle gebe. Bürger können Proben nur auf indirektem Wege über die Lebensmittelüberwachungsämter beim Landeslabor einreichen.

Zur Originalveröffentlichung: Jahresbericht 2024 – Themen aus dem Landeslabor Berlin-Brandenburg (pdf), September 2025

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