Obwohl Bananen nicht in Deutschland wachsen, gehören sie neben Äpfeln zu den beliebtesten Obstsorten hierzulande. Ihre Zukunft ist jedoch ungewiss: Ein Pilz zerstört die Bestände in Lateinamerika. Nun soll eine genetisch veränderte Bananensorte die gelbe Südfrucht vor ihrem Aus retten.
Ein Pilz bedroht die Zukunft der Banane. Australische Forscher erproben eine genetische Abwehr im Feldversuch (Symbolbild).
(Bild: frei lizenziert, Doğan Alpaslan DEMİR / Unsplash)
(dpa) Wenn TR4 zuschlägt, können Bananenbauern nur noch hilflos zusehen, wie ihre Plantage stirbt. Ein Gegenmittel gegen den Pilz gibt es nicht. Nun hat ein Forschungsteam eine gentechnisch veränderte Linie der heutzutage überwiegend angebauten Cavendish-Bananen entwickelt. Sie ist resistent gegen den Pilz TR4 – und wurde in Australien kürzlich für den menschlichen Verzehr zugelassen. Ist das die Rettung für die weltweit bedrohte Bananen-Industrie?
Die Ursache des „Bananen-Problems“ ist die so genannte Panamakrankheit, die der Pilz Fusarium oxysporum TR4 an Stauden der Cavendish-Banane auslöst und diese absterben lässt. Bereits seit etwa 1990 breitet sich TR4 (Tropical Race 4) von Südostasien aus in Cavendish-Anbaugebieten aus. Bisher haben Produzenten in Lateinamerika es geschafft, die Ernteausfälle klein zu halten. Zwar wurde TR4 im Jahr 2019 erstmals auch im Nordosten von Kolumbien nachgewiesen, aber auch fünf Jahre später ist die Lage im Land nach Einschätzung des Verbandes der Bananen-Bauern (Augura) noch weitgehend unter Kontrolle. „Von 53 000 Hektar, auf denen wir Bananen für den Export anbauen, sind nur 300 Hektar von der Krankheit betroffen“, sagte Verbandspräsident Emerson Aguirre Medina zuletzt.
Letztlich werde sich der Pilz aber weder ganz zurückdrängen noch dauerhaft eindämmen lassen, schätzt Pflanzenpathologe Remco Stam von der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Ist TR4 einmal in einer Plantage, lasse die sich nicht mehr nutzen: „Der Pilz überlebt im Boden mehrere Jahrzehnte.“ Ganze Plantagen abzugraben sei keine praxisnahe Lösung und der Einsatz immenser Mengen Fungizide im Boden keine gewünschte.
Der Industrie wird zum Verhängnis, dass sie derart auf eine einzige Sorte setzt. Während man bei Äpfeln oder Tomaten zumindest noch einige verschiedene Sorten in Supermärkten findet, ist es im Bereich der Dessertbananen fast ausschließlich Cavendish. „Ein derartiges Monopol einer einzelnen Sorte ist einzigartig“, erklärt Stam. „Und das ist auch noch ein Klon, es findet also keine genetische Anpassung im Zuge sexueller Vermehrung statt.“
Cavendish-Bananenstauden werden ausschließlich aus Stecklingen gezogen, alle sind genetisch exakt identisch, die Früchte enthalten keine Samen.
Die Cavendish ist ein absolut unnatürliches Gewächs.
Remco Stam, Pflanzenpathologe von der Christian-Albrechts-Universität Kiel
Es wäre nicht das erste weltweite Aus für eine Bananensorte: Schon der zuvor dominierenden Handelssorte Gros Michel wurde Fusarium oxysporum zum Verhängnis, damals noch TR1. Bis etwa 1960 war ein Großteil der Bestände vernichtet. Gros Michel wurde dann von der aus Vietnam stammenden Cavendish abgelöst.
Anders als damals scheint diesmal kein für den Massenanbau tauglicher Ersatz in Sicht. Zwar sind inzwischen mehr als 1.500 Bananensorten registriert. Doch nur sehr wenige haben die nötigen Resistenzen und sonstigen Eigenschaften sowie überhaupt für den Verzehr geeignete Früchte, wie Pflanzenpathologe Stam erklärt. Eine Sorte, die bei Ertrag, Transportfähigkeit und Geschmack halbwegs mit Cavendish mithalten könne, gebe es bisher wohl nicht.
Resistente Bananen auf australischen Versuchsfeldern
Darum arbeiten Forschungsteams vor allem daran, Cavendish resistent gegen TR4 zu bekommen – über traditionelle Züchtung oder eben gentechnische Ansätze wie den des Teams um James Dale von der australischen Queensland University of Technology (QUT). Die Wissenschaftler haben das Resistenzgen RGA2 aus einer Wildbanane in Pflanzen der Sorte Cavendish eingefügt. Die den Angaben zufolge erste gentechnisch veränderte Banane war geschaffen.
Seit einigen Jahren wurde der Anbau der genetisch veränderten Bananen mit der Bezeichnung QCAV-4 in Feldversuchen getestet. Nun folgte die Freigabe in Australien als für den menschlichen Verzehr geeignet. In Supermärkten erhältlich sind QCAV-4-Bananen dort aber bisher nicht – und das soll vorerst auch so bleiben.
QCAV-4 wurde mit älteren Gentechnik-Methoden geschaffen – solche Lebensmittel müssen häufig eine spezielle Kennzeichnung tragen. Mit der Genschere Crispr hergestellte Pflanzen und ihre Früchte brauchen eine solche Kennzeichnung hingegen in vielen Ländern nicht, wie Stam sagt. Ziel des australischen Forschers Dale ist deshalb nun zunächst die Schaffung einer Crispr-Banane: Das Gen RGA2 ist prinzipiell auch in Cavendish vorhanden, aber nicht aktiv, wie Stam erklärt. Mit einem Crispr-Verfahren könnte RGA2 reaktiviert und die Sorte damit resistent gegen TR4 gemacht werden, so die Hoffnung.
Unternehmen sehen in den gentechnisch veränderten Bananen einen interessanten Ansatz: Das Projekt der australischen Forscher erhält Millionen Dollar an Fördergeldern. Ob eine Crispr-Banane auch in der EU ohne Gentechnik-Kennzeichnung verkauft werden könnte, ist derzeit unklar: Ein Vorschlag der EU-Kommission, die strengen Gentechnik-Regeln zu lockern, steckt gerade fest. Das Vorhaben war bereits vor gut acht Monaten in Brüssel vorgestellt worden, bislang haben sich die EU-Staaten aber nicht auf eine Position einigen können. Zudem muss im Anschluss noch ein Kompromiss mit dem Europaparlament gefunden werden. Dass es noch vor den Wahlen im Sommer dazu kommt, ist unwahrscheinlich.
Stand: 08.12.2025
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Auch wenn an allerlei Züchtungen und verschiedenen Abwehrmaßnahmen getüftelt werde: Die Crispr-Banane werde letztlich der einzige Weg aus der TR4-Krise sein, ist Stam überzeugt. Das sei auch völlig unproblematisch, weil nur ein Gen wieder aktiviert werde, das in der Sorte und in Wildbananen ohnehin schon vorhanden sei. So könnte die Cavendish-Banane ihren Platz in den Supermärkten auch in Zukunft noch behalten.