Doppelt-resistenzbrechende Stämme Pflanzenvirus gefährdet Tomaten- und Paprika-Anbau

Quelle: Pressemitteilung DSMZ Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH 3 min Lesedauer

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Forschende haben Stämme des Tomato-Spotted-Wilt-Virus nachgewiesen, die sowohl bei Tomaten- als auch bei Paprikapflanzen Resistenzen überwinden. Der Wechselanbau beider Kulturen wäre damit keine sichere Strategie mehr gegen das Pflanzenvirus.

Tomatenpflanzen können von dem TSW-Virus befallen werden, was zu Verfärbungen der Pflanzenblätter und Ernteeinbußen führt. (Symbolbild)(Bild:  frei lizenziert, Avin CP / Unsplash)
Tomatenpflanzen können von dem TSW-Virus befallen werden, was zu Verfärbungen der Pflanzenblätter und Ernteeinbußen führt. (Symbolbild)
(Bild: frei lizenziert, Avin CP / Unsplash)

Ein Virus verbreitet sich weltweit, doch kaum jemand in der Öffentlichkeit nimmt Notiz daran. Dies ist nicht etwa eine Verschwörung zu einer versteckten neuen Pandemie, sondern der reale Fall des Tomatenbronzefleckenvirus, in der Fachliteratur bekannt als Tomato-Spotted-Wilt-Virus, kurz TSWV. Es befällt zwar nicht den Menschen, kann aber dennoch große Auswirkungen auf uns haben. Denn TSW-Viren infizieren neben Zier­ und Wildpflanzen auch zahlreiche Gemüsearten, darunter Paprika und die namensgebende Tomate. Damit gehören sie zu den gefährlichsten Pflanzenviren weltweit.

Abwehrstrategien gegen TSWV bröckeln

Blatt-Ringflecken-Symptom, verursacht durch das Tomato spotted wilt virus an Paprika(Bild:  DSMZ)
Blatt-Ringflecken-Symptom, verursacht durch das Tomato spotted wilt virus an Paprika
(Bild: DSMZ)

Bei einer Infektion sinkt der Ertrag der Pflanzen, sind ganze Felder befallen, kann dies zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führen. Glücklicherweise gibt es verschiedene Maßnahmen, mit denen Landwirte ihre Ernten schützen können. Traditionell gilt eine Kombination aus dem Anbau resistenter Sorten und der Bekämpfung der virusübertragenden Insekten als effektivste Strategie gegen TSWV.

„Da die Resistenz gegen TSWV bei Tomate und Paprika auf unterschiedlichen Genen beruht, galt eine wechselnde Fruchtfolge beider Kulturen lange als sichere und nachhaltige Methode, um das Risiko von Resistenzdurchbrüchen zu minimieren“, erklärt Dr. Paolo Margaria, Leiter der Arbeitsgruppe Discovery and Diversity in der Abteilung Pflanzenviren am Leibniz-Institut DSMZ – Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen. „Unsere Forschung zeigt nun, dass TSWV-Stämme existieren, die in der Lage sind, die Resistenz beider Pflanzenarten zu überwinden.“

Gemeinsam mit Forschern des italienischen Nationalen Forschungsrats und von BASF Nunhems Italy hat sich das Team von Margaria den TSWV-Befall von eigentlich resistenten Nutzpflanzen in Tomaten- und Paprikafeldern näher angesehen. Die Ergebnisse weisen erstmals das Auftreten so genannter doppelter resistenzbrechender (D-RB) Stämme des Virus unter landwirtschaftlichen Bedingungen nach.

Wechselanbau: kein Virenschutz, sondern Resistenzbrecher?

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass bestimmte agronomische Praktiken unbeabsichtigt die Selektion und Verbreitung aggressiverer Virusvarianten begünstigen könnten. Zu diesen Praktiken zählen etwa ausgerechnet der Wechselanbau resistenter Sorten, der bislang als Schutzmaßnahme gegen das Virus galt, oder der gleichzeitige Anbau resistenter Tomaten- und Paprikasorten in unmittelbarer Nähe. Dieses Szenario wurde bereits in Italien beobachtet und könnte auch auf andere Regionen weltweit zutreffen.

Biologischer Test zur Beurteilung des Potenzials resistenzbrechender Stämme des Tomato spotted wilt virus in Paprika-Genotypen(Bild:  DSMZ)
Biologischer Test zur Beurteilung des Potenzials resistenzbrechender Stämme des Tomato spotted wilt virus in Paprika-Genotypen
(Bild: DSMZ)

„Unsere Ergebnisse eröffnen neue Erkenntnisse für Produktionssysteme, in denen Tomaten und Paprika räumlich nah angebaut werden, und machen eine Neubewertung derzeitiger landwirtschaftlicher Praktiken und Strategien im Krankheitsmanagement notwendig“, betont Margaria. Er empfiehlt ein systematisches Screening nach D-RB-Stämmen des Pflanzenvirus überall dort, wo beide Kulturen in unmittelbarer Nähe wachsen. „Überwachung und angepasste Managementansätze sind entscheidend, um Risiko, Ausbreitung und Auswirkungen dieser neuen Virusvarianten zu reduzieren und die Erträge zu sichern“, ergänzt der Forscher.

Aminosäurevariation als Schlüssel

Von besonderem Interesse war die molekulare Charakterisierung der Genomsequenzen der D-RB-Stämme, die eine Aminosäurerest-Variation im Bewegungsprotein zeigen. Diese ermöglicht es dem Virus, die Resistenz zu durchbrechen, und wurde bislang in Italien nicht nachgewiesen. Insgesamt liefern die Forschungsergebnisse eine Grundlage für das weitere Verständnis von Resistenzmechanismen und pflanzlichen Abwehrreaktionen bei wichtigen Nutzpflanzenarten.

Originalpublikation: Forgia, M., Margaria, P., Mammella, M., & Ciuffo, M.: Characterization of Italian resistance-breaking isolates of tomato spotted wilt virus reveals double resistance-breaking strains in tomato and pepper and new insights into the occurrence of the recently reported D122G substitution in the NSm protein. Virology, Volume 618, May 2026; DOI: 10.1016/j.virol.2026.110820

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