Kunststoff Recycelbares Folienmaterial aus dem Biokunststoff PLA

Quelle: Pressemitteilung 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Flexible Einwegfolien wie Tragetaschen oder Müllsäcke werden hauptsächlich aus erdölbasiertem Polyethylen niedriger Dichte (LDPE) hergestellt. Sie besitzen jedoch einen großen CO2-Fußabdruck. Ein Team des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung IAP hat nun ein flexibles und recycelbares Folienmaterial auf Basis des Biokunststoffs Polylactid (PLA) entwickelt.

Das neuartige PLA-Material lässt sich auf gängigen Verarbeitungsanlagen ähnlich wie LDPE zu Folien verarbeiten.(Bild:  Piotr Banczerowski/Fraunhofer IAP)
Das neuartige PLA-Material lässt sich auf gängigen Verarbeitungsanlagen ähnlich wie LDPE zu Folien verarbeiten.
(Bild: Piotr Banczerowski/Fraunhofer IAP)

Kunststoffe können idealerweise nach ihrer Nutzung in ihre Grundbausteine zerlegt und daraus neue Kunststoffe mit gleichen Eigenschaften hergestellt werden. Doch im Kreislauf von Herstellung, Nutzung und Wiederverwendung entstehen Materialverluste. „Für eine zunehmend zirkuläre Ökonomie müssen diese durch nicht-fossile Rohstoffe ausgeglichen werden. Dies ist jedoch nicht ganz einfach, denn meist gibt es für fossile Kunststoffe keine biobasierten Analoga mit den gleichen Materialeigenschaften“, erklärt Dr. Antje Lieske, Leiterin der Abteilung Polymersynthese am Fraunhofer IAP im Potsdam Science Park. „Durch Zusatz von verschiedenen Additiven können diese Eigenschaften zwar verbessert werden, die Zuschlagstoffe stören allerdings im weiteren Lebenszyklus das Recycling. Außerdem sind sie nicht immer günstig, zum Teil umweltschädlich und vor allem nicht biobasiert“, so Lieske weiter.

Biopolyester PLA auch für flexible Einwegverpackungen

Der Biopolyester PLA liefert vielversprechende Ansätze zur Lösung dieser Problematik: Er ist biobasiert, bioabbaubar, gut recycelbar und hat im Bereich der Biokunststoffe eines der stärksten Marktpotenziale. Aufgrund seiner hohen Steifigkeit ist er prädestiniert für Hartverpackungen wie Einwegbecher, eignet sich aber nicht für die Herstellung flexibler Einwegverpackungen wie Tragetüten, die zu den Hauptverursachern von Einweg-Kunststoffabfällen gehören. Diesen Konflikt hat Dr. Antje Lieske zusammen mit ihren Kollegen André Gomoll und Dr. Benjamín Rodríguez am Fraunhofer IAP gelöst.

Bildergalerie

„Wir haben Weichmacher, sogenannte Polyether, direkt in die Polymerkette eingefügt, um das Material dauerhaft flexibler zu machen. Polyether sind nicht toxisch, kommerziell verfügbar und können auch biobasiert hergestellt werden“, erläutert Dr. Benjamín Rodríguez. Bislang wurden Weichmacher dem PLA als Additiv beigemischt. Jedoch wandern die Weichmacher-Moleküle mit der Zeit aus dem Material heraus, wodurch das PLA wieder steif und hart wird. „Um diese Migration zu verhindern, haben wir den Polyether direkt im Polymer verankert. Dazu haben wir PLA-basierte Blockcopolymere synthetisiert, bei denen das Polyether-Kettensegment an beiden Enden kovalent mit PLA-Kettensegmenten verknüpft ist“, erklärt Rodríguez.

Nachhaltiger, flexibler Kunststoff mit großem Potenzial

Das Ergebnis ist ein flexibles PLA-Material, das ohne den Einsatz von migrierenden Weichmachern auskommt und im Gegensatz zu LDPE zu mindestens 80 Prozent biobasiert ist – „wobei perspektivisch auch eine nahezu 100-prozentige Biobasiertheit möglich ist“, erklärt André Gomoll. „Außerdem lässt sich unser Material kostengünstig aus kommerziellen Rohstoffen in einem einfachen Syntheseprozess herstellen. Dieser verlangt keine großvolumigen Syntheseanlagen, sondern kann lokal auch durch mittelständische Unternehmen als kontinuierlich betriebener Prozess implementiert werden“, so Gomoll. Bisher konnte PLA nur in kontinuierlichen Großanlagen rentabel hergestellt werden, was kleinere Unternehmen als Hersteller ausgeschlossen hat. „Schließlich ist das neuartige PLA-Material auch auf gängigen Verarbeitungsanlagen ähnlich wie LDPE zu Folien verarbeitbar und kann chemisch mit erheblich geringerem Energieaufwand als LDPE recycelt werden“, sagt der Forscher.

SEMINAR-TIPP

Smart Materials – Eigenschaften und Einsatzpotenziale für die Mechatronik

Wie lassen sich Smart Materials für mechatronische Anwendungen nutzen? Auf was muss ich bei der Auswahl achten? Und welche Potenziale und Grenze gibt es? Antworten auf diese Fragen liefert Ihnen das zweitägige Online-Seminar "Smart Materials". Erhalten Sie einen grundlegenden Einblick in die verschiedenen Klassen adaptiver Materialien und erfahren Sie mehr über die besonderen Materialeigenschaften sowie die vielfältigen Möglichkeiten zur Realisierung neuer Produkte.

Die Weiterbildungsveranstaltung setzt sich aus zwei Seminartagen zusammen, die einzeln, aber auch in Kombination zum Vorteilspreis gebucht werden können. Buchen Sie beide Seminartage im Paket und sparen Sie 15 %. Bei der Buchung des Kombitickets für beide Seminartage erhalten Sie zusätzlich das Fachbuch „Smart Materials“ als Nachschlagewerk.

Weitere Details und Termine

Diese bisher einzigartigen Materialeigenschaften bewegte die Firma Polymer-Gruppe zur Kommerzialisierung. Im Jahr 2023 wurde eine Produktionsanlage für die neuen PLA-Blockcopolymere von der SoBiCo GmbH, einer Tochtergesellschaft der Polymer-Gruppe, in Pferdsfeld in Betrieb genommen. Sie produziert pro Jahr 2000 Tonnen der neuartigen Biokunststoffe mit dem Namen Plactid. Langfristig sollen dort 10 000 Tonnen des neuartigen flexiblen PLA-Materials pro Jahr hergestellt werden.

(ID:50067004)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung