Ein elektrochemisches Messgerät weist kleinste Glutenmengen direkt vor Ort nach. Das tragbare System soll Restaurants und der Lebensmittelindustrie helfen, sichere Speisen für Menschen mit Zöliakie anzubieten.
Gluten macht manchen Menschen zu schaffen. Um Zöliakie-Erkrankten sichere, d. h. glutenfreie Lebensmittel zu gewährleisten, wurde ein neues mobiles Messgerät entwickelt (Symbolbild).
Rund 400 Millionen Menschen weltweit leiden laut Schätzungen unter Glutenunverträglichkeit, etwa ein Prozent der Weltbevölkerung ist von der daraus resultierenden Erkrankung Zöliakie betroffen. Daraus entsteht für Betreiber professioneller Küchen wie Restaurants, Kantinen und Catering-Services, aber auch für die Lebensmittelindustrie die Herausforderung, gesichert glutenfreie Speisen anzubieten. Das tragbare elektrochemische Testgerät Glutensens soll dabei helfen. Es wurde durch das gleichnamige Mailänder Unternehmen gemeinsam mit der in Bologna ansässigen Firma Teoresi Medtech entwickelt.
Die eingangs genannten Schätzungen zeigen die Dringlichkeit einer zuverlässigen Kontrolle von Gluten. Schließlich sind die Risiken, die mit einer unentdeckten Glutenkontamination in Nahrungsmitteln einhergehen, mitunter drastisch. Bereits geringe Spuren von Gluten unter 20 ppm lösen bei Menschen mit Zöliakie schwere Reaktionen aus. Dies führt in vielen Fällen auch dazu, dass die Angst vor einer möglichen Kontamination das soziale Leben von Patienten einschränkt.
„Glutenfrei“ ist für viele keine freiwillige Entscheidung
Es ist eine zentrale Aufgabe für Gastronomen und alle anderen Anbieter und Hersteller von Lebensmitteln, Glutenfreiheit in ausgewiesenen Produkten und Speisen zu gewährleisten. Nicht nur schadet eine versehentliche Kontamination dem Ruf eines Unternehmens und hat womöglich wirtschaftliche und rechtliche Konsequenzen. Sie stellt für Zöliakie-Patienten ein ernstes Gesundheitsrisiko dar. Und die Zahl der Betroffenen, also Menschen mit diagnostizierter Zöliakie, wächst – jährlich um etwa fünf Prozent.
Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die „glutenfreie Industrie“ in den vergangenen Jahren zu einem relevanten Wirtschaftsfaktor geworden ist. Experten schätzen den weltweiten Gesamtwert der Branche auf etwa sechs Milliarden Euro. Sie rechnen mit einem Wachstum von neun Prozent in den kommenden fünf Jahren.
Einfache Glutenbestimmung ohne Vorkenntnisse
Der Glutensens-Sensor zur Bestimmung von Gluten in Lebensmittelproben
(Bild: Glutensens)
Derzeit gibt es zwar verschiedene Möglichkeiten, um Gluten in Speisen nachzuweisen, doch diese sind meist komplex und teuer, sodass Unternehmen sowohl in Material als auch in die Mitarbeiterschulung viel Geld und Zeit investieren müssen. Eine Alternative soll die von Glutensens gemeinsam mit Teoresi entwickelte Lösung bieten. Das Glutensens-Messgerät ist ein tragbares elektrochemisches Gerät, welches minimale Spuren von Gluten (<1 ppm) direkt vor Ort in wenigen Minuten nachweist und keine technischen Vorkenntnisse durch die Anwender benötigt.
Enzymatische und elektrochemische Methoden kombiniert
Die Funktionsweise des Gluten-Sensors ist schnell erklärt: Er kombiniert eine enzymatische mit einer elektrochemischen Methode. Zunächst extrahieren die Lebensmittelprüfer das zu testende Lebensmittel mit einer speziell entwickelten Lösung. Anschließend wandelt das Enzym Transglutaminase den für Menschen mit Zöliakie toxischen Teil des Glutens – das so genannte Gliadin – in verschiedene Stoffwechselprodukte um, darunter Ammoniak.
Die Anwender tragen die Lösung auf einen Streifen mit elektrochemischem Sensor auf, der die Ammoniakkonzentration mit der Glutenkonzentration abgleicht. Das Tischgerät zeigt ein positives Ergebnis an, wenn die Glutenkonzentration mehr als 20 ppm (mg/kg Lebensmittel) beträgt d. h. über dem Schwellenwert für Gluten liegt, der bei Zöliakie zu einer Darmtoxizität führt.
Vielseitige Einsatzmöglichkeiten in der Lebensmittelbranche
Mit ihrem neuen Bio-Sensor hat Glutensens ein Produkt entwickelt, das schnell und mit hoher Präzision Spuren verschiedener Glutenarten in Lebensmitteln nachweist. Das tragbare Gerät ist vielseitig einsetzbar: Es funktioniert in Restaurant-, Catering- und Kantinenküchen ebenso wie bei industriellen Lebensmittelherstellern und in Testlaboren.
In allen Fällen bietet Glutensens zusätzliche Lebensmittelsicherheit: Anwender können Gerichte am jeweiligen Ort direkt testen. Das gibt Zöliakie-Patienten Sicherheit beim Essen und Gastronomen und Lebensmittelhersteller können sich mit nachweislich glutenfreien Speisen einen größeren Kundenkreis erschließen bzw. langfristig binden.
Bei der Entwicklung von Glutensens spielte auch die Zusammenarbeit mit dem Projektpartner Teoresi eine wesentliche Rolle. Die im 2024 Jahr gegründete, in Bologna ansässige Medtech-Sparte der Turiner Unternehmensgruppe steuerte Elektronik, Hardware und Software bei. Das umfasste auch die Zertifizierung unter regulatorischen Aspekten. Glutensens soll von nun an Menschen mit Zöliakie und Glutenunverträglichkeit sichere Mahlzeiten ermöglichen, indem es eine einfache Testung auf Gluten bereitstellt.
Stand: 08.12.2025
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Was ist Glutensens?
Hauptteil ist das Messgerät zum Nachweis von Glutenspuren mittels eines speziellen Bio-Sensors. Dazu gehört auch ein Einweg-Bio-Sensor zur Messung von Glutenspuren nach dem Kochen.
Zur Extraktion von Glutenderivaten (Gliadin) aus der gekochten Lebensmittelprobe ist eine entsprechende Extraktionslösung vorhanden sowie die benötigten Verbrauchsmaterialien. Darüber hinaus umfasst Glutensens einen Schulungsplan für das Personal. Dieser enthält neben der Einweisung in das Gerät und den Bio-Sensor auch weitere Informationen zur Planung, Beschaffung, Lagerung und Zubereitung von Rohstoffen und zum Servieren glutenfreier Gerichte sowie einen kontinuierlichen Beratungsservice.
Schließlich gehört noch die Zertifizierung des gesamten Prozesses und des glutenfreien Produkts zu Glutensens.