Explodierende Kosten für Kakao und Kaffee haben die europäischen Importausgaben 2025 auf ein historisches Hoch getrieben. Dennoch sichern sich die heimischen Hersteller durch gezielte Preiserhöhungen und einen Fokus auf sichere Nachbarmärkte ihre Rekordumsätze.
Während die Importkosten für Rohwaren wie Kakao und Kaffee explodierten, konnten Hersteller diese Belastungen durch Preiserhöhungen bei veredelten Exportgütern wie Schokolade und Käse kompensieren.
(Bild: Gemini 3 Pro Image / KI-generiert)
Die Europäische Union hat im Jahr 2025 nicht nur ihren Titel als weltgrößter Agrarexporteur souverän verteidigt, sondern zeitgleich die USA und China überholt – und ist nun auch der weltgrößte Importeur von Agrar- und Lebensmitteln. Diese bemerkenswerte Verschiebung geht aus dem offiziellen Bericht „Monitoring EU Agri-Food Trade – Developments in 2025“ hervor, den die EU-Kommission (Generaldirektion Landwirtschaft) im Februar 2026 vorgelegt hat. Der Report liefert datenbasierte Einblicke in die globalen Handelsströme und offenbart, wie extreme Preisvolatilitäten – von explodierenden Kakaopreisen bis hin zu einem drastischen Preisverfall bei Olivenöl – die Bilanzen der europäischen Lebensmittelindustrie im vergangenen Jahr dominiert haben.
Rekordumsätze, aber ein schmelzender Handelsüberschuss
Das Jahr 2025 bescherte der europäischen Agrar- und Ernährungswirtschaft historische Höchstwerte, offenbarte jedoch auch die immense Belastung durch gestiegene Rohstoffkosten. Die EU-Agrarexporte erreichten einen neuen Rekordwert von 238,4 Milliarden Euro, was einem leichten, aber stetigen Wachstum von 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damit baut Europa seine Position als Exportweltmeister weiter aus. Noch dramatischer fiel jedoch die Entwicklung auf der Importseite aus: Die Einfuhren kletterten um gewaltige 9 Prozent auf 188,6 Milliarden Euro. Diese überproportional gestiegenen Importkosten drückten den europäischen Handelsüberschuss spürbar nach unten. Er fiel um 13,3 Milliarden Euro auf nunmehr 49,9 Milliarden Euro. Der primäre Grund für diese Entwicklung lag nicht in einem rasant veränderten Konsumverhalten, sondern in einer beispiellosen Kostenexplosion bei essenziellen importierten Rohstoffen.
Beschaffungsmärkte im Zeichen extremer Preissteigerungen
Für die lebensmittelverarbeitenden Betriebe in Europa brachten die globalen Beschaffungsmärkte im Jahr 2025 gewaltige Herausforderungen mit sich. Die wichtigste und spürbarste Erkenntnis betrifft die Süßwaren- und Heißgetränkeindustrie: Die Importkategorie „Kaffee, Tee, Kakao und Gewürze“ schoss wertmäßig um 37 Prozent auf 41,5 Milliarden Euro in die Höhe. Besonders dramatisch war die Lage beim Kakao. Die Importwerte für Kakaopaste, -butter und -pulver stiegen um 46 Prozent, jene für Kakaobohnen um 42 Prozent – und das, obwohl die tatsächlich eingeführten Mengen sogar sanken. Auch die Kaffeepreise verzeichneten ein massives Plus von 40 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei Nüssen und Früchten, deren Importwert um 15 Prozent auf 28,7 Milliarden Euro anstieg, primär getrieben durch um 42 Prozent teurere Nüsse. Deutliche Entlastung gab es hingegen für die Fleisch- und Milchwirtschaft: Die Importkosten für Ölsaaten und Proteinpflanzen, wie beispielsweise Soja, sanken preisbedingt um 8 Prozent auf 18,5 Milliarden Euro. Auch die Importe von Getreide verbilligten sich wertmäßig um 11 Prozent.
Preissetzungsmacht sichert Exporterfolge
Trotz der schwierigen Beschaffungslage zeigten sich viele europäische Produkte auf dem Weltmarkt äußerst widerstandsfähig und profitabel. Die wichtigste Exportkategorie blieben Getreidezubereitungen und Mühlenprodukte, die mit einem Zuwachs von 3 Prozent einen Wert von 25,4 Milliarden Euro erreichten und damit 11 Prozent aller EU-Exporte ausmachten. Als großer Gewinner kristallisierte sich die Molkereiwirtschaft heraus: Hier stieg der Exportwert um 6 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro an, wovon allein 9,1 Milliarden Euro auf Käse und Quark entfielen. Dieser Zuwachs war fast ausschließlich durch höhere Preise getrieben, was die starke Preissetzungsmacht europäischer Molkereien unterstreicht.
Auch die Schokoladen- und Süßwarenindustrie bewies enorme Resilienz. Trotz der explodierenden Rohstoffkosten stieg der Exportwert um 12 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro. Die Produzenten konnten die Kosten erfolgreich an die internationalen Endkunden weitergeben, was sich in 22 Prozent höheren Exportpreisen widerspiegelte, auch wenn die abgesetzte Menge weltweit um 6 Prozent zurückging. Auf der Verliererseite standen hingegen Wein und Olivenöl. Weinexporte fielen um 6 Prozent auf 16,4 Milliarden Euro. Bei Olivenöl gab es mit einem Minus von 16 Prozent auf 6,0 Milliarden Euro den stärksten Wertverlust aller Kategorien. Nach den historischen Preisspitzen von 2024 brachen die Preise hier um 28 Prozent ein, was selbst durch eine um 16 Prozent gestiegene Absatzmenge nicht kompensiert werden konnte.
Verschiebung der globalen Zielmärkte
Auch auf der Landkarte der europäischen Vertriebsabteilungen zeichnen sich tektonische Verschiebungen ab. Die Zeiten des unbeschwerten Wachstums in Asien und Nordamerika scheinen vorerst gebremst. Die Exporte in die USA sanken um 6 Prozent, vor allem, weil die Amerikaner weniger europäischen Wein orderten. Auch das Geschäft mit China stotterte und ging um 5 Prozent zurück, da das Land weniger Schweinefleisch und Getreide aus der EU abnahm.
Stattdessen rückt Europa wieder enger zusammen. Das Vereinigte Königreich (UK) erwies sich einmal mehr als verlässlicher Fels in der Brandung: Mit einem Volumen von 55,6 Milliarden Euro (+3 Prozent) und einem Export-Gesamtanteil von 23 Prozent bleibt die Insel der unangefochtene Zielmarkt Nummer eins. Und das lukrativste Wachstum liegt direkt vor der Haustür: Die Exporte in die Schweiz legten um 7 Prozent zu, Lieferungen in die Türkei um 16 Prozent und in die Ukraine sogar um beachtliche 18 Prozent.
Stand: 08.12.2025
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Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Jahr 2025 für die europäische Lebensmittelindustrie von extremen Preiseffekten dominiert wurde. Die Branche bewies jedoch eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit. Obwohl die Kosten für zentrale Rohstoffe wie Kakao und Kaffee historische Ausmaße annahmen, gelang es vielen Verarbeitern, diese Belastungen über strategische Preiserhöhungen auf den Weltmärkten abzufedern. Während das Geschäft mit den Supermächten USA und China aktuell schwächelt, erweisen sich Europa – insbesondere das UK und die Schweiz – sowie nahegelegene Drittstaaten als stabile und hochprofitable Absatzgaranten für Qualitätslebensmittel „Made in EU“.