Preissturz bei Rohmilch Molkerei Schwälbchen kämpft mit Milchschwemme zur falschen Zeit

Von dpa, Statista 3 min Lesedauer

Ungewöhnlich späte Kalbungen nach dem Ausbruch der Blauzungenkrankheit haben 2025 den Milchmarkt durcheinandergebracht. Die Folge für die Molkerei Schwälbchen: Überschüssige Rohmilch musste zu Dumpingpreisen verkauft werden – das Jahresergebnis liegt bei null.

Überschüssige Rohmilch und sinkende Nachfrage nach dem Ende des Hochsommers drücken die Preise.(Bild:  GPT Image Editor / KI-generiert)
Überschüssige Rohmilch und sinkende Nachfrage nach dem Ende des Hochsommers drücken die Preise.
(Bild: GPT Image Editor / KI-generiert)

Ein Preisverfall für Rohmilch hat 2025 bei der hessischen Molkerei Schwälbchen zu erheblichen Ergebniseinbußen geführt. Zudem habe die Konsumflaute angedauert, sagte der Vorstandschef Günter Berz-List der dpa in Bad Schwalbach im Taunus. Für das zurückliegende Jahr erwarte er für die Molkereisparte beim Ergebnis nach Steuern „eine rote oder schwarze Null“.

Der Umsatz summierte sich nach vorläufigen Zahlen 2025 auf rund 110 Millionen Euro. 2024 hatte der Jahresüberschuss für die Schwälbchen Molkerei noch bei rund 2,8 Millionen Euro gelegen, der Umsatz bei

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102 Millionen Euro.

„Geld für Urlaub ist da, für Lebensmittel nicht. Gekocht wird mit preisgünstigen Discountprodukten“, sagte Berz-List. Bei den Mengenträgern wie Milch, Sahne, Quark und Joghurt sei dies für die regional starke Marke Schwälbchen spürbar.

Der phasenweise kalte und nasse Sommer 2025 habe sich ebenfalls schlecht auf das Geschäft ausgewirkt, etwa beim Absatz von To-Go-Getränken wie Ayran, Kaffee-Milch-Mix oder Dickmilch. „Und wenn im Sommer wetterbedingt seltener gegrillt wird, spüren wir das beim Quarkabsatz, weil die Menschen weniger Dips zubereiten.“

Blauzungenkrankheit verschiebt Produktionszyklus

Die Milchverarbeitung bei Schwälbchen kletterte im zurückliegenden Jahr im Vergleich zu 2024 um rund fünf Prozent auf 108 Millionen Kilo. Allerdings gab es nach den Worten von Berz-List „zu viel Milch zur falschen Zeit“. Grund dafür seien Auswirkungen nach dem Ausbruch der Blauzungenkrankheit. Die Seuche beeinflusse, wann die Mutterkühe ihre Kälbchen bekommen und somit die Milchproduktion.

2025 seien die Kälber tendenziell später geboren worden – dadurch sei ungewöhnlich spät im Jahr viel Milch auf dem Markt gewesen, sagte der Molkereichef. Da nach dem Ende des Hochsommers die Nachfrage schrumpfe, habe auch Schwälbchen viel überschüssige Rohmilch auf dem sogenannten Spotmarkt verkaufen müssen. Auf dem Handelsplatz sei der Preis jedoch auf bis zu 6 Cent pro Liter in den Keller gerauscht.

Ein wirtschaftliches Desaster für die Molkerei, die ihren Milchbauern die Milch komplett abnehme. Der fest vereinbarte Preis habe ein Vielfaches über dem Spotmarktpreis des vierten Quartals 2025 gelegen. „Das hat keiner kommen sehen“, sagte Berz-List.

Lieferdienst-Sparte hält das Konzernergebnis über Wasser

Beim Frischdienst erwartet er ein Ergebnis nach Steuern von „knapp unter vier Millionen Euro“ (2024: 4,2 Mio. Euro). Der Lieferdienst für Großkunden profitiere davon, dass Homeoffice teils zurückgehe und sich Kantinen mit veränderten Angeboten als „Begegnungsstätten“ neu aufstellten. Der Umsatz schrumpfte 2025 preisbedingt um rund 6 Prozent auf etwa 110 Millionen Euro (2024: 117 Millionen Euro).

Die Mitarbeiterzahl betrug konzernweit im zurückliegenden Jahr im Durchschnitt 384 (2024: 374). Der konsolidierte Konzernumsatz lag 2025 den Angaben zufolge bei 210 Millionen Euro, das Konzernergebnis beträgt nach vorläufiger Einschätzung 2,5 Millionen Euro.

Blick in den Milchmarkt

Für Lebensmittelhersteller präsentiert sich der deutsche Milchmarkt im Jahr 2025 mit gemischten Signalen: Der Erzeugerpreis für Kuhmilch lag im November 2025 bei durchschnittlich 49,3 Cent pro Kilogramm, wobei Molkereien je nach Geschäftsstruktur, Region und Jahreszeit individuelle Preise an die Landwirte zahlen. Während die Abrechnung in der Landwirtschaft in Kilogramm erfolgt, wird im Handel üblicherweise in Litern kalkuliert (1 Liter ≈ 1,03 kg). Trotz volatiler Rohstoffpreise zeigt sich die Nachfrage robust: Der Absatz von Milchprodukten der Weißen Linie (Frischmilch, Sahne, Joghurt) stieg von Januar bis Juli 2025 um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders dynamisch entwickelten sich Naturjoghurt (+9,5 Prozent) und Naturquark (+10,1 Prozent), während traditionelle Produkte wie Butter (-2,8 Prozent) und Fruchtjoghurt (-2,3 Prozent) rückläufig waren.

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